In so einem Alter kannst du was erzählen
                                                                      In so einem Alter kannst du was erzählen                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

MOMENTE

2018-06-02

Rettungseinsatz

Ein dumpfer Knall, mehr so ein "bumm" - und da lag regungslos auf dem Rücken eine Amsel und streckte die Beinchen in die Luft. Sie war gegen die Glasscheibe der Terrassentür geknallt. "Ohnmächtig" dachte ich. Da begannen die Beinchen zu zucken, unregelmäßig, heftiger wieder weniger...wieder Ruhe. Ich versuchte mit einem Bambusstab, der daneben lag, das Vögelchen umzudrehen. Es klappt nicht gleich, noch mal... Da kam aus ihm ein schriller Schrei - und fast im gleichen Moment schießen zwei große Amseln neben mich auf einen Stuhl und einen kleinen Tisch: das Rettungskommando. Jetzt gelingt es mir auch das verunglückte Vögelchen umzudrehen - ich hatte dummerweise den Bambusstab auf die Innenseite eines Flügels rollen lassen, nahm ihn weg - und unter lautem Gekreisch flatterte die wieder lebendige Amsel in eine geschützte Ecke - die beiden Einsatzkräfte kreischten mit. So kreischen Amseln aus Dankbarkeit.

Den ersten Schnee hatten wir schon am Morgen des  2. September  auf der Edelweißhütte. Tolles Gefühl, in Sandalen im Schneematsch herumzulatschen (meine Sandalenspur im Schnee herwärts!). "Frau, schweig still"!- mein Befehl; weil sie beim Blick in die unendlich tiefen Schluchten der Hohen Tauern auf der Großklockner-hochalpenstraße immer wieder aufjaulte. Mach ich sonst nicht. Wir hatten M+S-Reifen drauf. Trotzdem war ich ziemlich angespannt. Es waren auch nur ein paar Kilometer, dann war der Matsch weg. Dafür begrüßten sie uns an einer der letzten Kehren begeistert: die Almabtreiber mit ihren geschmückten Viechern. Wir hatten Schnee auf dem Dach und sie einen Grund, jetzt mit ihrem Abtrieb loszugehen. Die Szene müsste in Archiv eines österreichischen Lokalsenders gespeichert sein.

Auch das sind Erinnerungen.In facebook gepostet:
 
20. November 2016
 
Jetzt werden die Milllionen gleich wieder Tatort gucken. Ich hasse Krimis.

Der Tod - Berufsbegleiter

Im Leben des Seelsorgers ist der Tod fast immer gegenwärtig. Du liest es immer wieder: Seelsorger werden bei großen und besonders tragischen Unfällen dazu gezogen. Für einen Seelsorger in Gemeinden und im Gefängnis ist er Alltag. Ich blicke zurück:
In Wetzlar-Garbenheim während meines Praktikums am Wetzlarer Dom 1965 steht eine Kinderbeerdigung an. Nur die Eltern sind dabei. Ich weiß nicht, wie alt das Kind war. Als ich mit meinen Worten fertig bin, warten wir auf die Totengräber. Keiner kommt. Unendliche Sekunden. Dann nimmt der Vater den kleinen Sarg in die Hände, und wir gehen zum Grab. Warum habe ich das nicht getan?
Im Pfarrhaus in Braunfels sitzen wir am Sonntag beim Mittagessen. Ein Anruf: „Im Solmsbachtal zwischen Oberndorf und Bonbaden ist ein schwerer Unfall passiert; junge Leute aus Bonbaden schwer verletzt.“ Der Pfarrer sieht mich an, ich rase los. Am Unfallort keine Verletzten mehr, aber zwei Tote. Ich fahre zum Falkeneck, dem Kreiskrankenhaus. Dort gehe ich zu den zwei Messdienern aus Bonbaden. Ich kann ihnen in der Intensivstation nur von weitem aufmunternd zulächeln!
Unzählige Beerdigungen hält ein Pfarrer; die meisten sind Routine, weil die Toten schon alt sind und die Trauergäste ziemlich unbeeindruckt. Es gibt aber Beerdigungen, da bist du froh, dass du die Bibel hast, weil dir sonst die eigenen Worte im Hals stecken bleiben würden – wie bei der Beerdigung 
- des Famlienvaters, der auf der B 49 ums Leben kam und Frau und zwei Kinder hinterlässt;
- der !5jährigen Schülerin, die noch zwei Wochen vorher bei einer Nachtwanderung gefragt hatte, wie sie ihre Probleme lösen könnte:
- des Familienvaters von zwei Kindern, der am Ende der Spätschicht über die Gleise des Güterbahnhofs lief und überfahren wurde.
Die Trostworte der Bibel überbringen, sie aufgreifen und auf die Situation übertragen und eigenen Trost hinzufügen.
Es gab es auch die Beerdigung des obdachlosen Gefangenen ohne irgendwelche Angehörige. Die städtischen Totengräber in Niederrad wollten schnell an der Trauerhale vorbei und den Sarg ohne die Trauerfeier vergraben. Ich habe sie wieder in die Trauerhalle umgeleitet. Mit Rochett und Stola bist du schon eine Autorität. Die Organistin hat mit starken KLängen dem Toten die gebührende Ehre erwiesen. Ich habe ihn persönlich angesprochen, obwohl ich seinen Namen nicht kannte. Irgendwie waren wir ja verwandt, war waren im selben Knast.
Man sieht sie meistens nicht, die Toten. Bei Unfällen werden sie schnell mit Tüchern verdeckt. Als Pfarrer sieht man sie schon, z.B. Im Kreiskrankenhaus. Meist morgens zwischen 5 und 6 beim Schichtwechsel. Um diese Zeit kamen die Anrufe. Dann fuhr der Kaplan ins Krankenhaus und hat den Toten die Krankensalbung gespendet, die eigentlich für die Lebenden gedacht ist.

Mitten im Tiefschlaf und abends ein paar getrunken wirst du geweckt. Mit dem Auto durch Solms auch noch bis ans Ende in Niederbiel, zwei Menschen neben der Straße, ich fahre weiter, checke das nicht, eine Runde, dann endlich Stop. Die Mutter der Russlanddeutschen war gestorben, ich bete, ich salbe…einige gute Worte: Die Angehörigen sind beruhigt.

Der Mann aus Polen hatte sich in der Untersuchungshaft an den oberen Eisenrohren des Doppelbettes erhängt. Ich war schon vor der Staats anwaltschaft da. „Warum machst du so ein Scheiß?“ habe ich dem Toten zugeflüstert. „Es hätte gut werden können.“ Dann habe ich ihn gesalbt: „Per istam sanctam unctionem indulgeat tibi Dominus quotquot deliquisti.“ 
Der seit langem wegen Vorwürfen der Untreue oder Korruption gerade eingelieferte Bürgermeister einer kleinen Stadt, der eine Überdosis seiner Medikamente nahm – der junge Mann aus Kolumbien, der sich einen ausgeklügelten tödlichen Anschluss an die Zellenlampe gebastelt hatte, am Tag davor hatte ich ihm noch eine spanische Bibel gebracht. – Sie und die vielen hier unerwähnten Inhaftierten, die in einer Zelle dieser Käfighaltung in der U-Haft in Frankfurt starben, sind mir merkwürdigerweise fremd geworden. Die Not war zu groß, der Tod kam zu oft. Man musste blocken. In einem Jahr töteten sich damals in der alten JVA Frankfurt am Main I einmal 8 Gefangene. Jedes Jahr waren es mindestens 3, in der neuen JVA Weiterstadt in den ersten 5 Jahren kein Einziger.

NB. Rodgau, 11.11.2016 – Da preisen sie in HR1 gerade den 1000. Tatort am Sonntag an: „Im Tatort gibt es im Durchschnitt 2,3 Leichen.“ Ich hasse Krimis, habe genug Tote gesehen - und so viele Mörder getroffen…

 

In Rodgau brennen Bücher -Es tut mir weh!

Wieder ist eines dieser schönen Bücherhäuschen, als Büchergestell preparierte alte Telefonzellen,  in die Bücher eingestellt und einfach so zum Lesen herausgeholt werden können, angezündet worden, Das zweite in Rodgau; dazwischen eines in Ober-Roden. Als ich kürzlich einige Kinderbücher reingepackt habe, kam gerade eine ältere Dame vorbei. "Ich suche was für meine Enkel." "Hier habe ich was für die." Sie war begeistert.

Einem solchen Idioten, der diese Bücherzellen anzündet, würde ich sagen: "Hitler hat erst Bücher brennen lassen - und dann Menschen."

Nun habe ich ja wirklich in meinen 19 Knast alle möglichen Menschen kennen gelernt. Aber solche Idioten sind mir ein Rätsel. Wenn er je gefasst wird, wenn er den Grips dafür hat, würde ich ihn dazu verurteilen, jeden Tag ein Buch zu lesen- mit Kontrolle am Abend. Vielleicht schafft er schon den Struwwelpeter. - November 2017

 

 

ICH SCHREIBE GERADE

HEXENVERFOLGUNGEN in Hessen, PAULSKIRCHE-1848 und KRIEGE in GESCHICHTE (links klicken): Es gibt überall noch SPUREN dieser  Ereignisse in Hessen, Deutschland und in Europa. Ich habe persönliche Anknüpfungspunkte und Erlebnisse. Hab Geduld, ich komme nur langsam voran. Den Frankfurter Gefängnisverein von 1868 habe ich vor ein paar Jahren schon mal bearbeitet und in den Archiven des  Institutes für Stadtgeschichte Beachtliches gefunden. 

Jetzt denke ich schon seit ein paar Tagen daran, etwas zum Thema VERALLGEMERUNGEN zu schreiben. Das beschäftigt mich schon länger; man könnte es auch VEREINFACHUNGEN nennen. Das Thema VORURTEILE hängt damit eng zu sammen. Habe so Vieles im Kopf!

15.10.2017

Bin mal wieder in Nied - Back in Town​

101 Jahre vor meiner Geburt war sie fertig, die erste Eisenbahnbrücke über die Nidda in Nied am Main. Die andere Niddabrücke ist etwas älter. Die neue ist heute noch funktionsfähig: hier mit einer einem RegionalExpresss. Die Taunusbahn nach Wiesbaden vom Taunusbahnhof  in Frankfurt aus sollte bei der Premiere darüber fahren. 

Das war gar nicht so einfach. Denn damals gab es das direkt daneben liegende RAW - ( Reichsbahnausbesserungswerk) Nied noch nicht, und wir hatten auch dort noch nicht unseren Garten. Wir hätten  dort auch noch keine Kohlen klauen können, wie mein Vater und ich es 1946/47 vorhanden. - Aber wir hätten uns auch kaputt gelacht. Es sollte die erste Fahrt der Taunusbahn mit vielen Ehrengästen und Sponsoren nach Höchst und Wiesbaden werden. - Es wurde nichts daraus: Etwa in Höhe des Nieder Waldes streikte die Lok. Man holte Pferde aus dem Rebstock-Gut. Die Pferde schafften es nicht. Man spannte auch noch die Ehrengäste und Sponsoren davor. Irgendwann haben die dann das industrielle Vorzeigeobjekt nach Höchst gezogen.

Für die Gegner dieser neuen, lärmenden, rauchenden Ungetüme war es ein gefundenes Fressen. Manche zweifeln natürlich auch den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte an.

1. Oktober 2017

Gehe nun mal kurz nach Nied, Frankfurt-Nied, wo ich aufgewachsen,zur Grundschule gegangen  und in der Katholischen Jugend aufgewachsen und geprägt worden bin - und dann natürlich als Messdiener in St. Markus. Im Keller unter der Sakristei durften wir Tischtennis immer mit dem Rücken eng zur Wand und im Raum gegenüber der Sakristei neben dem Chor trafen sich Jungschar, Frohschar und KJG.

3. Juli 2016

 

 

Momente gab es, die fest in der Erinnerung eingegraben sind. Du hörst sogar noch ganze, vertraute  Sätze, die damals gefallen sind, siehst Menschen, Bilder, Szenen, manchmal auch deren Hintergrund... hörst Stimmen, siehst die Gesichter von damals. In den Träumen wird das alles zu einem irren meist wohltuenden Gemisch - beim Aufwachen bleibt das Gefühl, dass da irgendwas nicht zu Ende gebracht wurde...

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August 2017 Rodgau-Dudenhofen

Am Sonntag habe ich Rodga-Dudenhofen gegen die AfD demonstriert! Man glaubt es nicht, wir sind in Rodgau, nicht in Virginia, Hamburg oder Paris: über 20 Polizeieinsatzfahrzeuge rund um und auf dem Platz vor dem Bürgerhaus in Rodgau-Dudenhofen. Sogar auf dem Dach des Bürgerhauses stehen Polizisten. Wer soll denn da beschützt werden? Die Bilderserie siehst du unten. Auf der Rückfahrt an der Rückseite des Bürgerhauses an der S-Bahn hätte ich nur eine große Scheibe mit Rollo dahinter einschlagen müssen, wenn ich die AfD hätte in die Luft sprengen wollen - da war weit und breit kein Polizist.

 

 

 
 
13.7.2015 Plaza de los Escoles - L'Estartit
Wir sitzen an der Bushaltestelle und warten auf den Bus nach L'Escala. 35°. Eine kräftige Schwarze ganz gelb eingehüllt von einem weiten Tuch sitzt neben  mir und fächelt sich mit einem grünen Fächer Frischluft zu. Ich neige meinen Kopf zu ihr und will davon etwas abbekommen. Zuerst versteht sie nicht, was ich will, dann doch, und sie schickt mir mit fröhlichem Grinsen einen erfrischenden Luftzug auf die linke Backe.
Mit dem nächsten Bus fährt sie weg, wir mit dem übernächsten. An der Bushaltestelle in Toroella di Montgri sitzt sie wieder an der Bushaltestelle. Durch die Vorderscheibe des Busses erkennen wir uns und lächeln und winken uns zu.
 

"Da wird aber ganz schön mit Traditionen gebrochen", meinte mein Sohn Christoph, der in der TU in Darmstadt Digital Philology studiert, heute in einer eMail. Ich hatte ihm gestern geschrieben, dass ich die Printausgabe der Frankfurter Rundschau abbestellt habe und diese Zeitung nur noch als ePaper in meinem Laptop oder Tablet lese. Recht hat er, und es ist mir auch nicht leicht gefallen. Meine Frau meinte: "Vermisst du nicht das Papier?

Seit meinem Studium 1959 bis 1965 lese ich die Frankfurter Zeitungen; erst die FAZ viel später, als die mir zu konservativ wurde, die FR. Jeden Morgen beim Frühstück - hieß und heißt es, eine Stunde Zeitung lesen - oder mehr. Na gut, jetzt habe ich mit dem kleinen Tablet, in das ich beim Aufstehen die neue FR übertrage, mehr Platz auf dem Küchentisch, brauche keine Lesebrille - und spare 20 Euro im  Monat.                                                          12. Januar 2017

Heute am 31.Juli 2017, habe ich beschlossen, das ePaper abzubestellen, manchmal die gedruckte FR morgens beim Bäcker zu kaufen und in FR-online zu lesen.​ Und nun habe ich die Print-Ausgabe wieder abonniert (18. September). Es geht nicht anders.

 

Main-Nied-Iron 2013

Ich war mit dem Rad von Rodgau nach Nied gefahren - zum Heimatverein auf den Spuren meiner Ahnen. Und ich wurde fündig.

Der Main-Radweg war meine Verkehrsstraße. Auf dem Weg zurück  habe ich  in Goldstein in einer Kleingärtnerkneipe etwas zum Mittag gegessen, bin dann weiter immer an den Pappeln entlang. Da war ein Loch im Gebüsch zum Main unterhalb der Griesheimer Schleuse. Ich habe mich hingestellt und meine kleine Kamera aktiviert. Die Stimmen kommen von den Radfahrern, die hinter mir vorbeifahren.

 

Du willst sicher wissen, wie diese Vöxe und Saitenspinner heute aussehen. mindestens eine handvoll Studienräte ist dabei, aber sicher ein Spielwarenkaufmann! Beim SWR habe ich  für dich das neue Foto darunter geklaut. Das Gesicht vom Rübezahl von damals kenne ich noch, den Namen nicht mehr; sonst weiß ich von allen noch die Namen.

6. September 2017

Das war  wieder ein Erlebnis bei Pulse of Europe: Treffen auf dem Goetheplatz mit Gruppenfoto mit weißen und roten Blättern vorm Gesicht (polnische Nationalflagge - gewittert nach Warschau), Demo-Spaziergang durchs Bankenvierteil - "freudetrunken" - an der Alten Oper vorbei zum Rothschildpark - lockere Gruppen - Interwiews von Landespolitikern zur Einstellung zu Europa und seiner Zukunft, auch Nicola Beer von der FDP war dabei: Immer öfter die Frage: Sollte es nicht eine Europäische Republick Europa geben! Ähnlich wie die USA? Eine USE? - Unten die Bilder vom Sonntag:

ICH NICHT HANDY

 

Manchmal piepst es schüchtern in der Nacht, weil der Akku leer ist. Mein Handy ist wie ich – in Rente. Wenn ich eine lebensgefährliche Radtour durch den finsteren Wald unternehmen werde, nehme ich es mit. Ich könnte ja unter die Räuber fallen. "Wie können Sie in der Nacht in den Wald fahren?" - "Heutezutage sind die Räuber in den Städten."

 

Gestern fahre ich am Jügesheimer Bahnhof vorbei: ich falle fast vom Rad. Da steht ein uralter Türke (mit sonem Käppi), ich denke zuerst, bin ich in Anatolieen (das ist da, wo sie am heftigsten Erdogan zujubeln) und fummelt auf einem Handy herum. Mir steht der Mund offen. Ein Erdogan-Terrorist? Agent? Sinnierend streiche ich durch den Supermarkt, suche Ruhe, meditiere. Handys, „Haben wir noch Butter zuhause?“ Komme raus – da steht schon wieder so ein Alter diesmal deutschmäßig und fummelt.

 

Überall stehen Leute herum, fahren, laufen, streicheln, drücken und befummeln  diese Dinger. "Hallo, hier bin ich", habe ich geschrieen, als mich ein Radfahrer, der in sein Handy glotzte, beinahe umgefahren hätte. In der S-Bahn von Frankfurt ist es jeder Zweite, nur jeder Zehnte hat ein Buch in der Hand und liest, die anderen dösen vor sich hin und schrecken hoch, wenn einer in sein Handy brüllt: „Was machst Du heute Abend…Ja, ich muss mal sehen.“  Ich  schalte auf Abwehr – und nicht vergessen zu Hause: Handy aufladen, damit es mich nicht nervt. - 28. November 2015, leicht aktualisiert am  18. und 22. Juli 2017

Von Lahnstein aus habe ich einmal 2 Semester in Bonn studiert, um mich für die Jugendarbeit fitter zu machen. Ich erinnere mich an eine Vorlesung, in der behauptet wurde, 13jährige Mädchen wären fähig, allein die Familie bei Krankheit der Eltern weiter zu führen. Daran mußte ich denken, als ich dieses Mädchen aus Syrien sah. Was muß sie für eine Kraft haben - die linke Hand spricht Bände....

Das Bild ist aus Jahresbericht 2016 von

                                                          www.caritas-international.de

14.7.2015 El Molino in L'Estartit

Die Campingplätze sind unglaubliche Anhäufungen und Präsentationen mitteleuropäischen Wohlstandes! So viele ungeheuerlich fette, meist ältere Frauen habe ich noch nie gesehen. Mühsam watscheln sie neben ihren meist dickbäuchigen Gatten zum Strand. Sind ja auch nur ein paar Meter. Er trägt die Strandausstattung: Legen, Klappstühle, Sonnenschirme und weiteres undefinierbares Gepäck. Wenn du da schon sitzst oder liegst, lassen sie sich genau vor dir und 3 m vor dem Wasser nieder.  Dann scheuen sich die Dicken nicht, ihre Monsterbrüste in die Sonne hängen zu lassen.

Später bin ich dann in Sachsenhausen und am Mainufer in die letzten Läufer des Frankfurter IRON-MAN geraten.

Da haben mir die vielen Helfer auch immer wieder die Erfrischungsbeutel zugeworfen.  

Es war ein aufregender schöner Tag, und ich war nach diesen 80 km ganz schön kaputt.

Begegnung

Ich stand am Ende des Bahnsteigs 2 im Bahnhof Rodgau-Jügesheim - an das Absperrgitter gelehnt um die einfahrende S1 aus Wiesbaden, Frankfurt, Offenbach zu filmen. Noch ein bißchen warten, näher kommen lassen, jetzt drücken. Im gleichen Moment kommt von hinten die S1 aus Rödermark-Oberroden und fährt bremsend an Bahnsteig 1: Begegnung. Hier in Jühesheim treffen sie sich meist alle halbe Stunde, die S-Bahnen aus Wiesbaden und Rödermark.

Hier ist mir aber auch schon mal das passiert: Ich stehe mit dem Rad etwas unterhalb der Fotografierstelle. Die S1 in Richtung Rödermark fährt gerade an. Da überholt sie mit irrer Geschwindigkeit ein Leerzug auf dem Gegengleis - ohne Lautsprecherwarnung auf Bahnsteig 1. Mir stockt der Atem.

Die lustige Schule
Mein Traum bei der Eröffnung des neuen Gymnasiums in Lahnstein 1971: heute Marion-Dönhoff-Gymnasium. "Das ist alles gar nicht so einfach," meinte Bernhard Vogel, damals Kulturminister in Rheinland-Pfalz, als er danach auf mich zu kam. Auf der Wiese vor der Schule haben wir damals in einer 5.Klasse die Flucht der Israeliten aus Ägypten nachgespielt. War natürlich nicht lustig, aber einprägsam und lebendig.
 
Habe dann den Beitrag der heutigen Schulleiterin zugeschickt. "Ich war damals eine Schülerin von Ihnen", hat sie geantwortet.
 

Pfarrer Gnadenlos als Arbeitgeber

1975 - Am Tag meines Auszuges aus dem Plenter in Lahnstein nach Nievern lese ich in der Rhein-Zeitung, dass der Pfarrer von St.Barbara eine Kindergärtnerin entlassen hat, die mit ihrem Freund zusammen lebt. Sieben Jahre umsonst? Eine Arbeit für eine weltoffene Kirche - umsonst? Ich hoffe, dass die Menschen, diesen Nuschelpfarrer, den keiner bei den Predigten verstehen konnte, nicht mit Kirche identifizieren. Die Patres vom Johanneskloster und mich hat er immer wieder eingespannt, wenn es um Arbeit ging. Was ich heute nicht begreifen kann, warum der Kirchenvorstand da mitgemacht hat - oder doch: es gab da auch ein zwei Gnadenlose - ein Jurist und ein Geschäftsführer einer Lahnsteiner Firma...

1985 - Ein junger Beamter des Allgemeinen Vollzugsdienstes der JVA Frankfurt I  in Preungesheim kommt zu mir, dem Gefängnisseelsorger, und fragt: Herr Pfarrer, was sollen wir machen? Meine Freundin ist Erzieherin im Katholischen Kindergarten St. Christophorus. Der Pfarrer will sie entlassen, weil wir zusammenleben. Ich fasse es nicht. Es ist der Pfarrer von Lahnstein, der mit seiner Haushälterin zusammenlebt.

Und das Schlimme, er ist im Recht: Tendenzschutz im deutschen Arbeitsrecht!  Über dieses Thema hat man mich an der FH Frankfurt schriftlich geprüft:  Entlassener aus einem kirchlichen Betrieb, wenn man deren weltanschauliche, moralische Vorgaben nicht einhält - Hat der bei einer Klage eine Chance? - Gilt  übrigens auch bei den Gewerkschaften! Für das Nein habe ich eine gute Note bekommen - hätte lieber eine ganz schlechte gehabt.

Besinnung unterwegs

Kürzlich hat sich ein Teilnehmer gemeldet, der dabei war: Im VW-Bus waren wir ein paar Tage unterwegs, um Besinnung  zu machen: Mir fallen dazu nur noch das Römerkastell in Holzhausen und ein Ordenshaus mit Schwimmbad in Horbach ein. Dazu kam dann auch ein Hotel in Montabaur, wo die zur Besinnung Gekommenen die Nacht zum Tag machten. ABER, was ich genau weiß, in Horbach meditierten wir über Simon und Garfunkel LIKE A BRIDGE OVER TROUBLED WATER - dann spielten wir Schach - nach eigenen Regeln, also  keinen....

 

Dichterlesungen
Da saß ich öfter in einem Art Hörsaal der Farbwerke Hoechst AG – ich glaube neben dem Brückenbogen, dem Wahrzeichen der Familienfirma der Rotfabriker - und lauschte gespannt und begeistert den bekannten Autoren: Werner Bergengrün, Heinrich Böll, Bruce Marshall... Diese Dichterlesungen habe ich genossen  und dann ließ ich mir die Bücher signieren. ~ 1958

Gert, du bist ein Sammler,

 

meinte die  hübsche Praktikantin, die mir geduldig in Büro des Entlassungs-projektes in der JVA Weiterstadt im G-Haus 2. Stock zusah, als ich noch schnell einige Daten in das NETZ DER STRAFFÄLLIGENHILFE eingab, bevor wir Gefangene besuchen wollten. Da ging es mir auf, sie hatte recht!

  1. Ich sammle Briefmarken, vorgeblich für meinen Sohn.
  2. Ich sammle Euro Münzen die Länder Sets und besonders die 2 Euro Sonder Münzen, angeblich auch für meinen Sohn. Dafür gehe ich sooft wie möglich mit dem Fahrrad einkaufen und drehe jede Münze um.
  3. Ich sammle Bücher (seit 1955), vorwiegend Taschenbücher - und einige habe ich auch gelesen.
  4. Ich sammle Daten in den Bereichen Strafvollzug, Straffälligenhilfe, Soziale Hilfe, Gefängnisgeschichte, Bettler, Hexenverfolgungen
  5. Ich sammle Kilometer auf dem Fahrrad: seit Juni 2011 habe ich 4350. Vor Juli 2004 waren es 1400 monatlich. Nun sind es vielleicht 10-20 täglich höchstens - 2016.
  6. Ich sammle SPRÜCHE.
  7. Ich sammle MOMENTE.
  8. Ich sammle Fotos von Allem und Allen.
  9. Ich sammle seit dem 1. Oktober 2011 auf der Scheune - ERINNERUNGEN

 

Winter
"Herr Linz, es ist Winter", schrie die Fahrlehrerin, als ich in einer Seitenstraße der Leopoldstraße in München den Fahrschulwagen auf Eisplacken zum Schlingern gebracht hatte - in diesem harten Winter 61/62. Seitdem fahre ich im Winter sehr gerne Auto., damals habe ich es zwischen Schneebergen, auf Schienen und überholenden Straßenbahnen gelernt. In Braunfels konnte ich es öfter üben - auch mit dem VW-Bus. Den Lappen von 1962 habe ich noch immer und darf ihn bis 2033 behalten ... Räusper!

 

 

Romano Guardini

Das AUDI-MAX war immer überfüllt bei seinen Vorlesungen an der Maximilians-Universitität in München, als wir dort in unseren Freisemestern studierten. Ein angenehmer offener Religionsphilosoph. Als ich nun hörte, dass der neue Papst Franziskus in St. Georgen drei Monate an seiner Doktorarbeit über Romano Guardini geforscht hat und schrieb, war das natürlich eine Erinnerung wert. In der großen Bibliothek von St. Georgen habe ich mir immer wieder als Gefängnispfarrer die passende Literatur  angesehen. 

Petersdom

Die Katharina Schreiner, Rektorin der Niddaschule in Nied brach in Verzückung aus, als sie als Mitglied unserer Schülerreise, organisiert von Rektor Hans Höckel, unserem Relgionslehrer am Leibniz-Gymnasium in Frankfurt-Höchst, im Oktober 1958 im Petersdom stand. Und dann brach es aus ihr heraus: Ein Haus voll Glorie schauet...; Ich sang nicht mit. In meinem Fotoalbum von damals steht: wucht und monumalität beeindruckend, einzelheiten befriedigen nicht. Dann waren wir in den Domitilla-Katakomben. Da verging ihr das Singen. Aus  der Audienz beim Papst Pius XII. wurde  nichts. Erst war er tot, dann nicht ganz tot, dann tot - laut Presse!

Im Januar 2014 war ich mit meiner Frau wieder dort. Es war ein großartiger Eindruck - auch in der Sixtinischen Kapelle. Die Raubkunst  in den Vatikanischen Museen hat uns weniger gefallen. Wo hatten die das alles her? Von weitem haben wir auch Franziskus gesehen; er war nach der Mittwochs-Audienz gleich weg mit seinem Jeep. So konnte ich mich nicht mehr als Bischof von Limburg bewerben!

Pappkartonfest zum Stadtjubiläum Lahnstein 

Das Kath. Jugendamt sollte ein Kinderfest ausrichten. Es war großer Trubel am rechten Ufer der Lahn unterhalb der Eisenbahnbrücke in Lahnstein etwas 300 Meter vor der Lahn-Mündung in den Rhein. Jeder sollte einen Pappkarton mitbringen. Und dann wurde gebaut, geklebt, zusammen gesteckt... mit fantastischen Ergebnissen. Als Höhepunkt wurden Luftballons mit Botschaften der Kinder in die Welt geschickt. Aber - viele blieben an der elektrischen Oberleitung der Bahn hängen. Du weißt, was auf dieser Strecke los ist? Mir fiel das Herz in die Hose....Was wird das werden, Unfälle, Schadenersatzansprüche und und....? Und die Botschaften sind auch gestoppt. Aber: es dauerte nicht lang, da stand plötzlich ein Bautriebwagen der Bundesbahn auf der Brücke, die Spezialisten entfernten die Luftballons, ließen sie wieder fliegen und verschwanden. Dann haben wir nichts mehr gehört.

Bei einer Sitzung des Bezirkssynodalrates Rhein-Lahn habe ich einige Tage danach davon berichtet. Franz Merfeld, der Leiter des Bezirkssynodalamtes, bemerkte in seiner Bescheidenheit trocken: "Das habe ich gemacht."; Er saß zur Zeit des Pappkartonfestes im Hauptstellwerk der Bundesbahn in Koblenz und dirigierte den Mittel-Rhein-Bahnverkehr. Und den Thomas seinen Sohn habe ich zum 5o jährigen auf der Scheune getroffen - und hier ein bisschen vorher bei einer Wanderung mit Niederlahnsteiner Kindern. Thomas, das bist doch im blauen Anorak in der Mitte? Nach einer Radtour auf dem Rhein-Radweg glaube ich mich zu erinnern: Kann das sein, dass wir bei der Wallfahrt nach Bornhofen mal kurz auf  eine Burg hochgeklettert sind?

Karl Rahner

Zaghaft klopfte ich als Oberordner und ASTA-Vorsitzender an die schmale Tür im Jesuitentrakt von St. Georgen in Frankfurt. Nach dem bayerischen "Herain"   sah ich ihn den berühmten Theologen - und Konzilsberater, der gerade aus Rom gekommen war. Er saß in der kleinen Ordenszelle auf dem Bett und hatte eine Bierflasche in der Hand. Die Studenten hatten mich geschickt, um ihn zu einem Bericht über die letzte Sitzung des II. Vatikanischen Konzils in den großen Hörsaal zu holen. Und das machte er dann am Abend gern  aus dem Stehgreif, plauderte, informierte in einfachen Worten, skizzierte die Trends und machte Prognosen. Wir waren von den neuen Perspektiven fasziniert. ~ 1963

Wir alle glaubten, einer offeneren kirchlichen Zukunft entgegen zu gehen. Was ja auch ein paar Jahre so war. Mit Paul VI, dem "Pillenpaul" sank dieser Glaube. Wir machten trotzdem Ökumene - und fragten nicht. Wir haben Gottesdienste neu erfunden und uns nicht mehr als Priester verkleidet.

Pershing 2 und Bischof Kamphaus und ich

Er saß auf der Couch in meinem Arbeitszimmer. Ich hatte ihm vorher Spagetthi Bolongnese gemacht. Dann waren wir hoch gegangen. Ein Wein - ich weiß es nicht mehr. Bischof Franz war mit seinem Golf durch das Dekanat Wetzlar gefahren und hatte auch den Landrat besucht. Der CDU Landrat war zu der Zeit auch Mitglied des Verwaltungsrates der Kirchengemeinde Leun, deren Pfarrverwalter ich damals auch war.

Dann irgendwann an diesem Abend meinte der Bischof, ich sollte doch meine Aktivitäten im Friedenskreis Braunfels gegen Pershing 2 einschränken...."Lieber Herr Bischof, Sie haben in ihren Büchern immer wieder dazu aufgerufen, für den Frieden ohne Waffen einzutreten. Ich folge nur Ihren Aufrufen;....Stille! Keine Antwort! 

Dieser Landrat hat übrigens einmal die Friedenstauben, die ein Kindergotteskreis für den Gottesdienst im Altarraum vom Mariä-Himmelfahrt in Leun vorbereitet hatte, abgeräumt.  Er glaubte wohl als  Mitglied des Verwaltungsrates der Kirchengemeinde so was zu dürfen..  Ich verzeihe mir heute noch nicht, dass ich das nicht öffentlich gemacht habe, wie früher einmal die Sache  "Kommunistische Friedenszeiten" mit Hauptmann Markus Berger in Lahnstein. Das hatte funktioniert!

BOSCODON

 

 

Es war hart für mich, in der brennenden Sohn bergauf die Landstraße vom Lac hoch zu laufen. Alle paar hundert Meter mußte ich kurz verschnaufen. Die Pausen wurden immer länger. Jeder Baum mit seinem Schatten freudig begrüßt. Meine Frau und unser gemietetes Wohnmobil hatte ich auf dem Campingplatz zurück gelassen und war neugierig geworden, als die Campingplatz-Besitzerin von einem sehr schönen Kloster in den Bergen erzählt hatte.

Dann endlich hatte ich die Abbaye de Boscodon erreicht - ich war überwältigt: Hast Du das schon mal gesehen? Das ist ROMANIK PUR. Ich konnte mich nicht satt sehen....die dicken Mauern zur Abwehr des Bösen, volle Konzentration auf den Altarraum, die Apsis nicht gebogen, die klare Rückfront mit den drei Rundbogenfesntern = Symbol der Dreifaltigkeit. Und das Fenster über dem Altarraum das Licht des Allmächtigen. - Sicherheit, Geborgenheit, Stille

Gerade (2016) entdecke, dass es gerade Mittag (ohne Zeitumstellung) ist, also ist diese alte Klosterkirche nach Süden ausgerichtet. Das ist ungewöhnlich, warum?

 

Beim Hinausgehen entdecke ich dann diese Erinnerung an die Untaten der GESTAPO. Kalte Schauer überfallen mich....

RRRRUUUHHE
brüllte der Diskussionsleiter Helmut , der aus dem Vinzenzstift gekommen zu einem aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kath. Jugendamtes Rhein-Lahn geworden war, in der Teilnehmerversammlung des Jugendtreffs, dem Einmal-Anders-Club im alten Kath. Vereinshaus in der Emserstraße in Niederlahnstein. "Der Pfarrer Gert redet jetzt. 
RRRRUUUHHE" brüllte er  -  und es war Ruhe. Dann habe ich geredet und wir besprachen den Abend, die Probleme und das Programm... alles in dem schmuddeligen Ambiente der Sperrmüllmöbel, die wir zusammengetragen hatten. Zum Schluss kloppte Helmut dem Jugendpfarrer Gert unter dem Jubel der Teilnehmer die Sünden raus;.....ppppffff. Das hatte er  im Vinzenzstift in Aulhausen gelernt.

Kath. Vereinshaus Niederlahnstein, Emserstraße heute Wohnung

Kartause

Auf einem Rhein-Schiff war ein Matrose von einem anderen getötet worden. Und beide waren aus Niederlahnstein. Der Pfarrer meinte, ich sollte mich um den Täter kümmern, er wollte die Familie des Opfers besuchen. So kam es zu meinem ersten Besuch in einem Gefängnis, in der Kartause, dem Untersuchungsgefängnis in Koblenz. Ich kannte den Jungen aus dem Plenter natürlich und seine Eltern, wir wohnten in derselben Straße. An Details kann ich mich nicht mehr erinnern. Dass es auch für mich sehr hart war, kannst du dir denken.

Kriegsdienstverweigerung
Das waren unzählige Momente der Spannung in den Prüfungen, ob eine junger Mann als Kriegsdienstverweigerer anerkannt werden konnte. Bald konnte ich zwar als vom Bischof von Limburg beauftragter Beistand an den Fragen der Kommission ahnen, wie der Frager dachte, doch blieb der Ausgang immer offen. Darf der Junge Zivildienst machen oder muss er zum Bund? Das Kalte-Kriegs-Denken herrschte vor; das Misstrauen gegenüber den ehrlichen Gewissensgründen erst recht. - 
Da habe ich heute (7.12.13) diesen Protestsong von Franz Josef Degenhardt gefunden. Ich kannte ihn bisher nicht.  Christoph, Ottes und alle ihr, die ich begleitet habe, erinnert ihr euch? - http://www.youtube.com/watch?v=5pYzWgEzJWQ


...und dann die Puddelkaut
Lumbe, ald Eise, Knoche, Babier - schrie der Lumbehändler, schwang kräftig seine Handglocke und schob seinen einachsigen Handkarren durch die Sauerstraße in Nied. Das war die Abfallentsorgung so um 1950. So mancher Lumbehändler brachte es später durch seinen Fleiß (und Beziehungen zur Stadtverwaltung) zu einem lukrativen Müllentsorgungsunternehmen. Auch was durch unasere Plumbsklos nach unten fiel, wurde damals aus der Puddelkaut entsorgt. Der Anschluß an die Kanalisation kam in Nied etwa 70 Jahre nach dem in Frankfurt bei der Eingemeindung gemachten Vertrag. In größeren Abständen kam das Puddelauto. Die Profis legten einen Schlauch in den Hof und saugten die ganze Scheiße - alles ab. - Einmal stand ich dabei, obwohl es so furchtbar stank - nicht alles war entsorgt worden: da lagen unten auf dem leer gesaugten Boden Hitlerbilder in Holz und Blech in der Puddelkaut. Unser Haus-Nazi hatte sie rechtzeitig entsorgt und war dann abgehauen, bevor die Amis kamen. Später wurde er von einem Ami-Laster in Höchst überfahren.

Kommunistische Friedenszeiten in Lahnstein

Der Brief kam von Weihbischof Kampe aus Limburg. Er schickte mir einen handschriftlich hingerotzten Brief eines Lahnsteiner CDU-Mitgliedes, der gerade für den Bundestag kandidierte und Hauptmann bei der Bundewehr war. "Im Katholischen Jugendamt Rhein-Lahn werden die kommunistischen Friedenszeiten vorbereitet"; oder so ähnlich lautete der Inhalt. Den Hauptmann Berger hatte ich immer in den Abendmessen in St. Barbara vor mir und konnte an seinem Gesicht ablesen, was er von meinen Predigten hielt. Irgendwie tickt der nicht richtig, dachte ich. Was dagegen tun. Vielleicht meint er die Beratung für Kriesgdienstverweigerer, die wir seit einiger Zeit im Auftrag des Bischofs durchführten? Oder unsere Wurfzettel gegen den Vietnamnkrieg? - Lange überlege ich - eine halbe Nacht. Dann beschließe ich einstimmig, den Brief des Hauptmanns zu veröffentlichen. Es gab schon einigen Aufruhr in der CDU; vor allem die einfachen CDU-Mitglieder standen auf meiner Seite. Der Vorsitzende der Jungen Union trat zurück. Den Namen PHARISÄER hat mir dann Rudi Geil gegeben, damals Innenminister in Rheinland-Pfalz, als er bei einer Veranstaltung, die zur "Bereinigung" der Affäre in der Stadthalle stattfand, begegnete. Otmar Vorländer, selbst Kriegsdienstverweiger und Zivildienstleistender in der Baracke, dem vom Kath. Jugendamt mit inszenierten Jugendzentrum der Stadt, hat mich da verteidigt. Ich blieb sprachlos - war nicht gut.

 

Als ich Weihbischhof Kampe beim 25jährigen Jubiläum der St. Anna-Kirche in Braunfels traf, haben wir uns lebhhaft an dieses turbulente Geschehen erinnert.  Ich habe ihm auf die Schultern geklopft. Damals gab es noch echte Bischöfe, kluge anfassbare, aufgeschlossene HIRTEN.

Kriegsende

Sie kamen auf beiden Seiten der Sauerstraße von der Mainzer Land-Straße her, eng an den Hauswänden entlang, die Gewehre in beiden Händen: die Amerikaner. Ich sehe sie langsam näher kommen. Mich fast 6 jährigen hatten sie wohl auf die Straße gestellt, damit die Befreier keine Gefahr wittern sollten. Rechtzeitig gingen wir ins Haus, der Willi, die Frauen und ich. Der Parteigenosse war schon ein paar Tage vorher abgehauen.  Angst hatten wir schon, als die  GIs im Haus hoch stiegen in den zweiten Stock. Der Offizier der Gruppe sah meine Mutter, die schwanger war, und mich daneben, er lächelte: "Okay". Dann waren sie weg und wir ganz schön erleichtert. - Es folgten die Sperrstunden. Da hingen ab 18 Uhr fast alle in der Sauerstraße an den Fenstern. Ich stand am Haustor, als ein Jeep mit US-Soldaten vorfuhr. Der Schwarze auf dem Beifahrersitz bot mir Chocolate an. Ich traute mich nicht auf die Straße. "Ei, Gerti, sei doch net so blöd, geh doch hin.."; schallte es aus den Fenstern. - April 1945

Gabi Auras hat  mir vor ein paar Tagen (Juni 2017) geschrieben:

 

"Wie einige von euch vielleicht noch wissen, haben Peter und ich zusammen mit Manfred vor mehr als 40 Jahren in einer Kirchenband namens Vox Juventutis gespielt. Über diese Gruppe gibt es einen Beitrag in SWR Fernsehen, am Freitag, den 23.6. um 21 Uhr." Der Titel der Sendung: Verabredung mit Früher - Ein Leben zwischen zwei Fotos.

 

Bei vielen Jugend-, Kinder- und Familiengottesdiensten in Lahnstein, Nievern und auch in mal in Braunfels waren sie damals dabei - und sie gibt es immer noch - die VÖXE. Später haben sie sich Saitenspinner genannt. 

 

Es war eine schöne Sendung. Bis auf einen, der Rübezahl, der wohl später dazu kam, habe ich sie alle wieder erkannt.

 

Here comes the sun

Wenn Peter damit anfing, waren wir alle munter; ob im Jugendgottesdienst, auf der Scheune am Lagerfeuer, beiFesten und Gruppenaktivitäten. Es war ja auch so was wie ein Programm Here comes the sun von den Beatles. ~ 1972 

Here comes the sun
Rachel-Treff
Es war ein wunderbarer Tag im Bayerischen Wald. Ich bin mit dem Auto zum Parkplatz am Nationalpark, dann ausgestiegen einem zweiten Wanderer zugerufen: ";Was für ein Tag!" Und er hat begeistert geechot. Dann bin ich allein den Weg zum Rachel hoch gestiegen. da kommst du am Rachelsee vorbei: einfach herrlich an so einem Tag. Da sehe ich vor mir zwei Bergsteiger;. Damals war ich noch schneller. Ich komme näher und näher, ahne noch nichts. Kein Mensch bei dem ganzen Aufstieg weit und breit. An einer kleinen Hütte dreht der Bergsteiger sich um, es ist Erich. In meinem Praktikum beim Dom in Wetzlar 1965 war er dort Kaplan. 
hat später aufgehört.  Er war Philosophenordner in St. Georgen.; Erich, erinnerst du dich noch an die Sache mit dem Rosenkranz zum Wendelsplatz? Da haben sie dich eingesetztIhm - oder ihr -  war das wohl nicht so recht, dass ich eine Weile mit gestiegen bin, bin dann abgebogen... Erich, du alter Babsack melde dich doch mal!
                                                                                             
Bodensee überlebt

War das Angst, die ich immer noch spüre, wenn ich daran denke? Hans Schneider - auch Theologiestudent und später mein Nachfolger als Kaplan in Braunfels - wir waren während unseres Studiums in München als Betreuer in einer Kinderfreizeit am Bodensee. Hans aus Niedergladbach im Taunus, ich aus Nied an der Nidda; unsere Schwimmqualitäten waren offenbar unterschiedlich. Aber - wir beschlossen, über den Bodensee zu schwimmen. Gut, an der Stelle, wo er noch am schmalsten war. Das andere Ufer schien nicht weit. Mitten im See meinte Hans "Das schaffen wir nicht"; Ungern schwamm ich mit ihm zurück. Und dann kurz danach: ";Ich kann nicht mehr." Da fiel mir das Herz in die Badehose. ich bin ja kein großer Tröster, aber hier ging es auch um Mein Leben. Es waren noch 2-300 Meter. So habe ich ständig auf ihn eingeredet, ihn ermutigt, zugeredet, keinen Moment war ich still; das nahe Ufer beschrieben....nicht aufregen, ruhig bleiben, langsam schwimmen... Wir sind beide am Ufer angekommen. - ~ 1962

 

Besinnung unterwegs

Kürzlich hat sich ein Teilnehmer gemeldet, der dabei war: Im VW-Bus waren wir ein paar Tage unterwegs, um Besinnung  zu machen: Mir fallen dazu nur noch das Römerkastell in Holzhausen und ein Ordenshaus mit Schwimmbad in Horbach ein. Dazu kam dann auch ein Hotel in Montabaur, wo die zur Besinnung gekommenen die Nacht zum Tag machten. ABER, was ich genau weiß, in Horbach meditierten wir über Simon und Garfunkel LIKE A BRIDGE OVER TROUBLED WATER - dann spielten wir Schach - nach eigenen Regeln, also  keinen....

 

Dichterlesungen
Da saß ich öfter in einem Art Hörsaal der Farbwerke Hoechst AG – ich glaube neben dem Brückenbogen, dem Wahrzeichen der Familienfirma der "Rotfabriker" - und lauschte gespannt und begeistert den bekannten Autoren: Werner Bergengrün, Heinrich Böll, Bruce Marshall... Diese Dichterlesungen habe ich genossen  und dann ließ ich mir die Bücher signieren. ~ 1958

 

 

 

Glocken-Jumping in St. Markus

Es war ein hoher. mindestens 8 Meter hoher Raum im Glockenturm von St. Markus in Frankfurt-Nied. Bevor die Glocken elektrisch geläutet wurden, durften wir Messdiener läuten. Mordsarbeit war das, besonders bei der großen Glocke, bis die mal anfing anzuschlagen und dann gleichmäßig erklang. Ein Riesenspaß war es dann, wenn sie angehalten werden mußte. Mußte sie wirklich oder hörte die nicht von selbst auf? Immer wenn das dicke Seil unten war, hängten wir uns dran und wurden hochgewirbelt. Ängstlich blickt man dann auch mal nach oben, ob die eigene Birne nicht oben dranknallte, aber da war immer noch genug Platz dazwischen -  bis die nicht mehr hochzog und keinen Mucks mehr machte. ~ 1957

St. Markus Nied - 50 er Jahre

Proud Mary 

Mit dem Fahrrad hatte ich seit kurzem begonnen, von Rodgau nach Preungesheim zu fahren - zu meiner Arbeitstelle im Gefängnis - mit HR 1 im Kopf. Also quer durch den Jügesheimer und Heusenstammer Forst, durch Offenbach, dann die Auffahrt zur Kaiserlei-Brücke hinauf. Kaum bin ich über dem Main, da tönt es: Rolling, rolling on the River, rolling...; John Fogertys wunderbare Ballade. Nun kann ich nie mehr über die Kaiserlei-Brücke fahren - oder drunter durch am Main entlang, ohne ;Rolling, rolling on the River; zu summen.! Später kam ich drauf. Stefan 1, ein Untergefangener hatte es vorher im Gottesdienst und in der Musikgruppe ein paar Mal gespielt und mich begeistert. ~ 1995  ~ und heute am 30.9.2013 habe ich etwas Unglaubliches von Stefann Hofer, den ich besucht habe, gehört - er hat damals vor über 20 Jahren in der Untersuchungshaft in Frankfurt mitgearbeitet . Ich nenne ihn mal Stefan 2. Also Stefan 2 mußte mal nach Freiburg, stand irgendwo an einer Ausfallstraße Frankfurts mit dem rechten Daumen nach Süden.   Es hält ein Auto, drin sitzt Stefan 1, der gerade aus der Haft entlassen war. Du kannst dir denken, dass beide sich viel zu erzählen hatten - bis nach Freiburg: da mußte auch Stefan 1 hin.

Bahnhof Nied  1948 (gibt es nicht mehr), heute S-Bahn-Halt - S 1, Oeserstraße, , heute Unterführung. Beim S-Bahn Bau wurde der Bahnübergang geschlossen und eine Unterführung gebaut.
Bahnpäckchen in Kriegsgefangenenzüge                                                         
Oft standen wir Kinder auf der Fußgängerbrücke über die Bahn in Nied, wo heute die S 1 fährt. Der weiße Dampf der Loks hüllte uns ein; er roch nach Ferne, Weite, Abenteuer. Kurz nach dem Krieg kamen aus der Gegenrichtung, also aus Frankfurt - wir standen auf der anderen Treppe - nicht sichtbar - immer wieder Kriegsgefangenenzüge. Da transportierten die Amis die im Osten gefangenen deutschen Soldaten in die Lager in der Eifel oder Frankreich. Wir machten Päckchen und stellten uns etwa in die Mitte der Treppe. Die Züge fuhren nicht schnell. Ist ja auch eine leichte Kurve. So konnten wir unsere Päckchen ziemlich gut den Gefangenen in die offenen Güterwaggons zuwerfen. Wir ernteten dankbare Blicke und freudiges Winken. ~ 1946

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© Gert Linz