In so einem Alter kannst du was erzählen
                                                                     In so einem Alter kannst du was erzählen                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

Erfahrungen - Gedanken - Bilder - Berichte

1 Geboren im Storchennest 2 Multikulti waren wir schon immer 3 St. Markus Frankfurt-Nied 4 Ich nicht Handy 5 Schnee im September Aufplustern   7 Dummheit 8 Frankfurt - Hauptstadt des Ver-brechens? 9 Und die Kanzlerin ruft die Hamas zur Mäßigung auf 10 Begegnung in Jügesheim 11 Türme 12 Über Justinus

12 Über Justinus

Dieses wunderbare Bild links muss ich kommentieren. Es ist dieser Tage in der facebook-Gruppe Höchst-Historisch aufgetaucht. Der Blick über das Dach der Justinuskirche in Frankfurt-Höchst zeigt schon zwei Bauphasen, einmal romanisch (das gotische Fenster hat man später eingebaut) und dahinter der Chor gotisch (der Altar dann auch noch Barock). Diese älteste Kirche Frankfurts stammt aus dem 9. Jahrhundert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Justinuskirche_(H%C3%B6chst) 

 

Rechts die Nidda mit dem "Gaasebrickelsche", das auf die Wörtspitze rüber nach Nied führt. Mein Schulweg. Die Nidda fließt hier rechts gleich in den Main. Hinten links ein Teil des Bolongaraplalstes. Das "Häuschen" ist heute Standesamt. In dem Haus neben der Kirche wohnte während meiner Schulzeit Rektor Höckel, der Religionslehrer an der Leibnizschule. Interessierte Schüler hat er regelmäßig in sein Arbeitszimmer (hinter den 2 Fenstern im 1. Stock) zu Gesprächsabenden eingeladen. Diese Diskussionsrunden haben, glaube ich, uns Teilnehmer geprägt. In der Schule waren wir dann die Kadolische...

 

In Frankfurt-Höchst bin ich geboren; dort haben meine Großeltern und mein Vater gearbeitet - und ich als Werkstudent - im Weltunternehmen Farbwerke Höchst, der "Rotfabrik".  In Höchst war ich von 1950 bis 1959 in der Leibnizschule und habe mein Abitur gemacht. In Frankfurt-Nied haben wir gewohnt. Da lief der Alltag ab: Kindergarten, Niddaschule, Spielen, Schwimmen, Freizeit an Nidda und Main, Kinder- und Jugendgruppe in  St. Markus - und Messdiener. In Höchst ging man Einkaufen bei Hertie, in die Tanzstunde, in die Buchhandlung Bärtsch, zu den Jugendpredigten in St. Josef, ins Kino - und später auch ins Silobad. Ganz selten fuhr man mit der Trambahn in die "Stadt", gemeint ist die Innenstadt von Frankfurt.

11​Türme

Natürlich waren es meistens Kirchtürme, neben denen ich wohnte, in deren Kirchen ich tätig war. Ich mochte sie alle. Türme sind so etwas wie Zeigefinger - nach oben; aber auch Einladung: "Komm, finde Ruhe, erlebe Geborgenheit, sei zu Hause in diesem Haus hier, gemeinsam mit den Anderen!" Hinter dem Alltäglichen, Sichtbaren das Besondere des Lebens, das Unsichtbare fühlen, schmecken... genießen. Und so seltsam es klingt, manchmal kommt mir der Wasserturm in Jügesheim, in dessen Nähe ich wohne, wie ein Kirchturm vor...

10Begegnung in Jügesheim

Wenn du von Jügesheim nach Frankfurt oder Darmstadt fahren wolltest, war das schon abenteuerlich. Von einer Rangierlok gezogen zockelte der Zug über die über 100 Jahre alten Gleise der Großherzoglich-Hessen-Darmstädtischen Staatsbahn. Bahnsteige gab es nicht; man mußte abspringen. Seit 2011 haben wir nun die S-Bahn, die S1, die zwischen Wiesbaden und Rödermark-Oberroden hin und her fährt. Die Park+Ride+Parkplätze an den Bahnhöfen zeigen, dass sie eine wichtige Ost-West-Verbindung ist.

9Und die Kanzlerin ruft die Hamas zur Mäßigung auf......

Vor ein paar Wochen hatte ich wirklich mal vor, mit einer Kippa durch Frankfurt zu laufen, um meine Haltung zum Antisemitismus zu zeigen. Wie bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Am Sonntag sind sogar Mitglieder der Frankfurter Stadtregierung mit einer solchen Kappe über den Römerberg gelaufen, während gleichzeitig israelische Soldaten Palästinenser abknallten, die es gewagt hatten, Steine zu werfen, den Stacheldraht zu beschädigen und Autoreifen anzuzünden. Da sollten sich Juden nicht wundern, wenn in Deutschland und auf der Welt der "Antisemitismus" wächst; apropos "Semitismus"! Sind denn die Araber keine Semiten? Also bekämpfen in Palästina (auch Israel ist Teil Palästinas) Semiten andere Semiten, nehmen ihnen ihr Land, die Öffnungen zur Welt, ihre Existenzrechte weg. Merken gar nicht, dass wachsende Not und Perspektivlosigkeit Gewalt erzeugen. Waren 1800 Jahre nicht da und beanspruchen nun ganz Palästina, das den Palästinensern gehört. Und wer etwas dagegen sagt, ist Antisemit: oh du krankes Israel! - Und das alles unterstützt von dem unberechenbaren Kindskopf aus den USA, der den Weltfrieden für seine egomanischen Aktionen aufs Spiel setzt. - Keine Waffenlieferungen mehr an Israel! Zahlt die Bundesrepublik übrigens immer noch Entschädigungen für den Holocaust an Israel? - 15.5.2018

8​Frankfurt - Hauptstadt des Verbrechens?

 

Frankfurt wird immer wieder in der Presse als "deutsche Hauptstadt des Verbrechens" bezeichnet. Schau genau hin; Ist es die Polizeistatistik, die sie anführen? Da werden nur die Verhafteten ausgewiesen. Ob Untersuchungshaft von einem Richter angeordnet wird, steht da nicht drin. Ist es die Kriminalstatistik? Dann ergibt das ein genaueres Bild, da kommen dann nur die wirklich Verurteilten vor. Ich habe auch  in meiner Zeit als Gefängnisseelsorger einige zu Unrecht Verurteilte erlebt...

 

Frankfurt liegt zentral im Westen  Deutschlands. Nicht nur der Rhein-Main-Flughafen bringt täglich Menschenströme in die Stadt. Bahn, Autobahnen liefern nach. An einem Arbeitstag sind mehr Menschen in der Stadt, als sie Einwohner hat. 

 

1603 veröffentlicht der Frankfurter Patricier Achill August von Lersner seine Chronik, die detailliert Informationen über Wetter Personalien, Kriminalität, Messen, Kaiserkrönungen, Hinrichtungen u.v. m enthalten. Was die Kriminalität in Frankfurt angeht, hat er es so ähnlich gesehen wie ich.

7Dummheit

Bonhoefer meint, dass es sich nicht lohnt gegen die Dummheit zu kämpfen. Sag was gegen einen Dummen, dann kannst du ganz schnell der Dumme sein. Kann man mit einem Esel diskutieren? Da habe ich mich erinnert, dass ich schon mal darüber sinniert habe.

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6​Aufplustern

Die Kohlmeise in unserem Garten  plustert sich auf. Da sie keine Schweißdrüsen hat, muss sie bei dieser Hitze ab und zu  lüften und  hecheln. Wenn sich Menschen aufplustern, ist das meistens peinlich. Ich kenne einen, der, wenn du was erzählst, sagt er in einer Minute 20 mal : "Weiß ich, kenn ich, weiß ich, weiß ich..." Da hast du nach 2 Minuten genug und haust ab. Oder - du erzählst etwas, was er garantiert nicht wissen kann - trotzdem: "Weiß ich, kenn ich..." Während es bei unserer Meise um reine Körperpflege geht, ist das Aufplustern bei Menschen eigentlich  reines Imponiergehabe. Die wollen dir ja nichts Böses, dir nicht - nur sich selber was Gutes.  Na ja, sollen sie es haben. Ich denke nach der aufschlussreichen  Begegnung mit unserer Gartenmeise eher mal daran, wann ich mich zuletzt aufgeplustert habe, und wie peinlich das war - der Andere hat es gemerkt!

5Schnee im September

Den ersten Schnee hatten wir schon am Morgen des  2. September  auf der Edelweißhütte in 2572 m Höhe. Tolles Gefühl, in Sandalen im Schneematsch herum zu laatschen (meine Sandalenspur im Schnee herwärts!). "Frau, schweig still"!- mein Befehl; weil sie beim Blick in die unendlich tiefen Schluchten der Hohen Tauern auf der Großklocknerhochalpenstraße immer wieder aufschrie. Mach ich sonst nicht. Wir hatten M+S-Reifen drauf. Trotzdem war ich ziemlich angespannt. Es waren aber nur ein paar Kilometer, dann war der Matsch weg. Dafür begrüßten sie uns an einer der letzten Kehren begeistert: die Almabtreiber mit ihren geschmückten Kühen. Wir hatten den ersten Schnee auf dem Dach und sie einen Grund, jetzt mit ihrem Abtrieb loszugehen. Die Szene müsste in Archiv eines österreichischen  Fernsehsendersenders gespeichert sein.

4Ich nicht Handy

Manchmal piepst es schüchtern in der Nacht, weil der Akku leer ist. Mein Handy ist wie ich uralt und in Rente. Wenn ich eine lebensgefährliche Radtour durch den finsteren Wald unternehmen werde, nehme ich es mit. Ich könnte ja unter die Räuber fallen. "Wie können Sie in der Nacht in den Wald fahren?" - "Heutezutage sind die Räuber in den Städten."

 

Gestern fahre ich am Jügesheimer Bahnhof vorbei: ich falle fast vom Rad. Da steht ein uralter Türke (mit sonem Käppi), ich denke zuerst, bin ich in Anatolien (das ist da, wo sie am heftigsten Erdogan zujubeln) und fummelt auf einem Handy herum. Mir steht der Mund offen. Ein Erdogan-Terrorist? Agent? Sinnierend streiche ich durch den Supermarkt, suche Ruhe, meditiere. Handys, „Haben wir noch Butter zuhause?“ Komme raus – da steht schon wieder so ein Alter diesmal deutschmäßig und fummelt.

 

Überall stehen Leute herum, fahren, laufen, streicheln, drücken und befummeln  diese Dinger. "Hallo, hier bin ich", habe ich geschrieen, als mich ein Radfahrer, der in sein Handy glotzte, beinahe umgefahren hätte. In der S-Bahn von Frankfurt ist es jeder Zweite, nur jeder Zehnte hat ein Buch in der Hand und liest, die anderen dösen vor sich hin und schrecken hoch, wenn einer in sein Handy brüllt: „Was machst Du heute Abend…Ja, ich muss mal sehen.“  Ich  schalte auf Abwehr – und nicht vergessen zu Hause: Handy aufladen, damit es mich in der Nacht nicht nervt. - 28. November 2015, leicht aktualisiert am  18. und 22. Juli 2017

3St. Markus Frankfurt-Nied

Die 1907 gebaute Kirche war für uns Mittelpunkt. Heirat meiner Großeltern Boxleitner und Eltern. Taufen, Erstkommunion, Messdiener, sogar Freizeitort im Keller und Gruppenraum. Als ich jetzt dort war , habe ich sie innen kaum wieder erkannt.

2​Multikulti waren wir schon immer

Gedanken nach einem Urlaub in Frankreich und Spanien

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1Geboren im Asyl, dem Storchenest - 1939

Was die Mitglieder der facebook-Gruppe HÖCHST-HISTORISCH alles ausgraben. Nun weiß ich, wo ich geboren bin. Im ASYL der Farbwerke Höchst - das wußte ich. Aber dass die Leute es Storchennest genannt hatten, wußte ich nicht - und dass es so aussah. Das Hakenkreuz auf dem Stempel des Standesamtes Frankfurt am Main - Höchst bleibt  ständige Mahnung, denn zwei  Monate nach meiner Geburt fing der 2. Weltkrieg an.

 

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© Gert Linz