In so einem Alter kannst du was erzählen
                                                                      In so einem Alter kannst du was erzählen                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

Erfahrungen - Gedanken - Bilder - Berichte

1 Geboren im Storchennest 2 Multikulti waren wir schon immer 3 St. Markus Frankfurt-Nied 4 Ich nicht Handy 5 Schnee im September Aufplustern   7 Dummheit 8 Frankfurt - Hauptstadt des Ver-brechens? 9 Und die Kanzlerin ruft die Hamas zur Mäßigung auf 10 Begegnung in Jügesheim 11 Türme 12 Über Justinus 13 Steine 14 Der Große Feldberg 15 19 Jahre Knast - länger als Lebenslänglich 16 Der "Willkommen" 17 Bücher liebe ich. 18 "Gut, dass es des heut noch gibbt" 19 Die Gerechtigkeit ist wieder in Frankfurt 20 Grauhaarige demonstrieren gern für Europa 21 Zurück nach Rodgau mit der S1 22 Was hat der Meister denn da oben in der linken Hand? 23 feste Feste feiern 24 Die Madonna vom Regenrohr... 25 "Da gründen wir halt einen Verein"  26 "Da gründen wir halt einen Verein" II 27 Es wird immer schlimmer: Verkehrsdichte und hirnlose Raser 28 Als der Rhein noch Wasser hatte 29 Züge 30 19 Jahre Knast 31 Hessisch babbele

31 Hessisch babbele

Die Kinder sprechen heute keinen Dialekt mehr. Eigentlich schade! So will ich versuchen die Sprache meiner Jugend in mir hervor zu locken. Das braucht Zeit. Aber irgendwo in meinem Hirnstübchen ist bestimmt noch Einiges übrig geblieben von  meiner damaligen Zweisprachigkeit - ohne Fremdsprachen. Manchmal meinte einer, man würde das Hessisch bei mir raus hören, ich würde wie Norbert Blüm redern: Du erinnerst Dich "Die Rende is sischer" Hab isch nie gemergd. Du herst dich ja net selber. So langsam rudsch isch rein ins Hessische. Ob mer jeden dach was einfällt?

22. November 2018

Geh mer aus de Fiess!

Kerzlich hab ich de Briggegiggel uff de Ald Brigg in Frankfort fotografiert.

Ei gude!

Du must emol dorsch die Neu Aldstadt laafe. Du werst dich wunnern.

 Hier in Rodgau redde die Leud so ehnlich wie in de Wetterraa, so e knallhad rr drin.

Mir in Frankfort habbe ja viel franzessisch drin:  Schavellsche, Waschlafor, Trottwar, Pordmané, Schesslong ...

Mudder, derf isch übber die Brigg - drei Schrid zurick, derf ich aach vergesse.

Bis moije!

23. November 2018

Du ald Frierkatz, zieh der halt was Warmes dribber.

Ibberall lied Kerschel rum.

Bis in Nied die Kanalisation kam, hadde die Häuser all e Puddelkaut un im Trebbehaus in jedem Stock e Plumbsklo. Da habbe mir des Zeidungsbabier verabeidet.

Die Striggmitz von meiner Mudder setz ich heud noch uff. Da war mal e Bommel dran.

 

25. November 2018

Waasde was e Baareschisser is? Kannsde net wisse, denn ich rudsche e bisje weg von Frankfort. Abber es klingd doch hessisch. Des is in Lonschde hessisch und so e bisje schon rheinisch drin. Un Schisser kenne mir in Rhein-Main ja aach, als Angstschisser;  des is en Angsthas oder en Feischling. Also en Barreschisser es en Niederlahnsteiner, der ............. siehsdes?

 

6. Dezember 2018

Also en Dippeschisser gab es aach bei uns.Un die Kinner hadde velleicht e Schiss, bevor de Niggeloos kam. "Mamma, de Niggeloos hat dieselbe Schuh an wie de Herr Stock, der da unne wohnt", habe ich damals zu meiner Mudder gesacht; aber da hade Niggeloos mit de Schuh vom Stockedicke schon weidergemacht un mir, weil ich so braav wer, e Strickmieds geschenkt, die schon wochelang hinner de Nähmaschin von meiner Muder geleje hat.

 

26. November 20118

Mim Rad fehrsde ziemlisch oft ibber Hubbel. Wose die Straas uffgrerisse hade un neu geteert, da färsde meisd ibber Hubbel: Odder wenn Bäum nebe dem Radwesch stehen, färsde oft ibber die Hubbel, die wo die Wurzelle gemachd habbe. Die habbe se bei uns nebe de S-Bahn abgeschliffe un Teer dribber gemachd: jetz sin die Hubbel noch höer.

Übrigens - Lahnstein heißt Lohnschde un Frankfurt heißt Frankford. Ich wohn in Rodgau-Jügesheim - un Jügesheim nenne die Eingeborene Giesem. Da musde ma drauf komme. Vorm Rodgauer Radhaus habe die Giesemer en schöne Brunne.Schade, dass die annern Stadtteile net so dargestellt sin

 

30 19 Jahre Knast -

Ich komme nicht davon los,  Zu prägend waren die Eindrücke - sogar nach 14 Jahren Rente noch.  In den 19 Jahren haben ich vieles erlebt, was positiv und negativ in den drei Jahrhunderten der Freiheitsstrafe geschehen ist. Das reizt, die Gefängnisgeschichte im Detail zu erkunden. In HessenGefängnisse stelle ich zusammen, was ich gefunden habe und finde. 

Gleich abschreckend die Bilder unten aus der Untersuchungshaftanstalt in Frankfurt (1973 - 1997), die inzwischen durch eine neue Anlage ersetzt ist. Einmal von uns fotografiert, einmal von einem Latino aus Kolumbien gezeichnet. In den Zellengefängnissen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war es nicht viel anders. Allerdings hatten  die statt WC den Kübel in der Zelle stehen. Zu meiner Zeit haben die Bediensteten in Eigeninitiative selbst im B-Flügel  der Frauenanstalt in Preungesheim die Kübel abgeschafft und in jedem Haftraum WCs eingebaut.

29 Züge

 

Oft standen wir Kinder auf der Fußgängerbrücke über die Bahn in Nied, wo heute die S 1 fährt. Der weiße Dampf der Loks hüllte uns ein; er roch nach Ferne, Weite, Abenteuer. Kurz nach dem Krieg kamen aus der Gegenrichtung, also aus Frankfurt - wir standen auf der anderen Treppe - nicht sichtbar - immer wieder Kriegsgefangenenzüge. Da transportierten die Amis die im Osten gefangenen deutschen Soldaten in die Lager in der Eifel oder Frankreich. Wir machten Päckchen und stellten uns etwa in die Mitte der Treppe. Die Züge fuhren nicht schnell. Ist ja auch eine leichte Kurve. So konnten wir unsere Päckchen ziemlich gut den Gefangenen in die offenen Güterwaggons zuwerfen. Wir ernteten dankbare Blicke und freudiges Winken. ~ 1946

 

 Da finde ich in der FR von vor ein paar Monaten das Bild der "Patrona" in Mexiko. Wie glücklich sie lächelt! Schon ein bisschen ähnlich! - Und zur Zeit ganz aktuell - 2018-11-20 

28 Als der Rhein noch Wasser  hatte - So sehr viel war es damals aber auch nicht.

Bilder einer Wanderung auf dem Rheinsteig vom "Bahnhofshotel" des Peter Bahles, sen nach St. Goarshausen. Ist schon ein paar Jahre her; habe damasl schon gekeucht. Das würde ich heute nicht mehr schaffen. Aber wunderschön! Mein Sohn wollte bei offenem Fenster schlafen, hat er gemacht - und ich habe Höllenqualen erlitten, habe tausend Güterzüge erlebt und bin 100 mal aus dem Bett gefallen. Ihr armen Eingeborenen am Mittelrhein!!! Und Immer noch kein Tunnel in Sicht. Scheppernde Güterzüge, Niedrigwasser, Hochwasser - Gibt es eigentlich noch die tieffliegenden Kampfbomber aus Büchel?

27 Es wird immer schlimmer: Verkehrsdichte und hirnlose Raser

Abends so hier in Höhe der Raststätte Weiskirchen auf der A3, hinter dem Hanauer Kreuz, oben links sogar noch auf dem Standstreifen also vierspurig - und morgens schon um 6:00 umgekehrt Richtung Frankfurt. Wenn ich mal mit dem PKW nach Frankfurt fahre, merke ich: es wird immer schlimmer. Zum Glück gibt es da die zentral gesteuerten leuchtenden Verkehrsschilder, die zum Beispiel Überholverbot für LKW verhängen oder 100 oder120 beim kleinsten Regentropfen. Aber nicht nur die Verkehrsdichte, auch die hirnlosen Raser nerven ...erst in der Auf- oder Abfahrt ganz dicht auffahren, dann,  kaum auf der Autobahn, sofort links auf die mittlere Fahrbahn, noch weiter links und los gesteamt. An der Abfahrspur alle noch überholen und im letzten Moment vor der die Fahrbahnen teilenden Leitplanke einbiegen. Am schlimmsten sind die SUVs, diese aufgeblasenen Blechkisten und die großen Eindruckschinder. Manchmal denke ich: die haben alle riesige Minderwertigkeitskomplexe. - Kein Tag ohne Tote. War da nicht mal von Tempo130 die Rede? Zum Glück habe ich mein Fahrrad - und, wenn es in die Stadt geht, die gute S1 und werktags dahin den 42er nur 300 m von unserer Hütte aus. -14.11.2018

26 "Da gründen wir halt einen Verein" II 

Zuerst waren wir in Lahnstein, jetzt sind wir in Frankfurt. Wir von der Gefängnisseelsorge kauern uns vor dem Beton gewordenen Babylon. Ausser diesem Untersuchungsgefängnis gehören in Preungesheim noch das Frauengefängnis, der Offene Vollzug und das Gefängnis in Frankfurt-Höchst dazu. Sollen wir hier mit den vielen Problemen bei einem Ausländeranteil von zeitweise 80 % einsam vor uns hinwurschteln? - Öffentlichkeit muss her - und Geld und Ehrenamtliche und Seelsorgehelfer, Nonnen und Mönche... Gemeindebriefe mit Informationen über die Gefängsniswelt werden verschickt. Wir gehen in die Gemeinden. - Aber wir möchten auch Bildung und persönliche Unterstützungen für die Gefangenen und Hilfe für die Angehörigen - in aller Welt??? Ich glaube ich spinne. - Eines Tages kommt uns doch die Idee: Wir haben doch in Aachen unser gutes altes MISEREOR. Reinhold, Beate und ich, wir fahren hin, bequatschen den Oberprälaten und seine Länderexperten, überzeugen mit der internationalen Bedürftigkeit unserer Gefangenen. Und dass man doch ganz einfach schon in Frankfurt Entwicklungshilfe leisten könnte - und wir überzeugen! "Aber......MISEREOR kann nur an einen kirchennahen Verein zahlen....""Da gründen wir halt einen Verein", schallt es dreistimmig zurück.

 

Wie wir einen kirchennahen Verein gemacht haben, und wie der die jährlichen 25 000 DM in Hilfe verwandelt hat. - Übrigens "wir", das war nie nur "ich".

 

Nun waren wir ja Kirche, angestellt beim Bistum Limburg. Aber wenn MISEREOR es so will. Besser, das Geld bleibt in unserer Nähe und nicht beim Bistum. Wir suchen Gründungsmitglieder, finden Don Giovanni von der Italienischen Katholischen. Er bringt einen Banker mit. Der wird der Kassierer. Und da ist doch der Pfarrer Greef, früher Lahnstein, als Stadtdekan das Aushängeschild... Die Satzung bereitet uns keine Schwierigkeiten, denn wir wissen, was wir wollen (siehe Titelbild). Zögernd, weil den Verein nicht so fromm machen wollte, schlage ich "Zachäus" vor und erzähle seine Resozilisationsgeschichte. Einstimmig angenommen. Kaum war die Meldung der Vereinsgründung nach Aachen gegangen, traf schon die erste Zahlung ein. Wir konnten planen. - Mehr erfährst du auf dem Prospekt:

25 "Da gründen wir halt einen Verein" I

Ziemlich erstaunt war ich, als Walter Nouvortne, der Hausleiter des JKK von der Stadtverwaltung Lahnstein mir sagte, ich wäre ja mitverantwortlich, dass es heute das Jugend-Kultur-Zentrum in Lahnstein gäbe. Ich hatte vergessen, dass wir im Anschluss an das Familienfest 1973 in Lahnstein den Jugendverein e.V. gegründet hatten. Das Familienfest sollte die Probleme der Kinder und Jugendlichen sichtbar machen und Lösungen anstoßen. Die CDU wollte sich um die Kinderspielplätze kümmern, der OB Weiler um die blöden Schilder vor den Spielplätzen und die SPD um die Jugendarbeit. So entstanden der Jugendverein und die Baracke. Der Verein verwaltete die "Baracke", das kleinste Jugendzentrum Deutschlands; es arbeitete zunächst mit zwei "hauptamtlichen" ZiVis.

https://www.lahnstein.de/freizeit-kultur/jugendkulturzentrum/konzeption/ 

In Braunfels war es der Förderverein für die Sozialstation; er scheiterte bei einem ersten Versuch, startete beim zweiten Mal aber prächtig durch und existiert heute noch:

https://www.google.de/search?source=hp&ei=8nTfW4SFKsKckwX9o4WQCA&q=Sozialstation+Braunfels+Solms&oq=Sozialstation+Braunfels+Solms&gs_l=psy-ab.3...6936.20356.0.20854.30.24.0.5.5.0.172.2647.6j18.24.0....0...1c.1.64.psy-ab..1.26.2422.0..0j35i39k1j0i131k1j0i67k1j0i20i263k1j0i22i30k1j0i13k1j0i13i30k1j0i13i5i30k1j33i160k1.0.Z56Gm7a9AAk  

24 Die "Madonna vom Regenrohr" am "Goldenen Lämmchen" in der Neuen Altstadt in Frankfurt blickt auf das Mammutrohr des Frankfurter Kunstvereins, aus dem garantiert kein Regenwasser fließen kann. 

23 feste Feste feiern, 

anstoßen, organisieren, mitfeiern, gemeinsam genießen. Die meisten waren ohne Anlass, einfach so, "wir könnten doch mal...", war halt immer so jedes Jahr. Bei einigen war nur ein Anstoß nötig, dann legten die Straßen- oder Gemeindeakteure los. Im Plenter agiert die ganze Straße. In Fachbach und Nievern haben sich alle Vereine am Lahnfest beteiligt. Beim Familienfest stellen die Kinder AGs ihre Arbeit und die Probleme der Kinder und Jugendlichen vor

1962 - 1963 St. Georgen 

Als Oberordner durfte ich das jährliche Seminarfest organisieren. Das Fest, den Namen habe ich vergessen, war Tradition an der Offenbacher Landstraße. Wir mußten sogar Sonderstraßenbahnen bestellen. Als es dann kaum einer gehen wollte, habe ich ständig von der Bühne aus an die leeren Sonderzüge erinnert...

 

1967 Diözesanjugendfest  auf der Loreley

"Ich sitze im Boot und mache auf Frieden" war unser Slogan, als wir von Oberlahnstein mit Schnurri und Peter an den Gitarren nach St.Goarshausen zum Diözesanfest auf der Loreley fuhren. Damals war die Anlage noch nicht renoviert. Wir waren von dem Programm beeindruckt, das der Diözesanjugendpfarrer Rolf Lutter mit seinen Leuten organisiert hatte.

 

1973 Familienfest in der Stadthalle Lahnstein

1973 Jammerfest im Kindertal bei Kloster Arnstein

1974 Pappkartonfest an der Lahn

1974 Plenterfest in (Nieder-)Lahnstein

1976 Lahnfest in Nievern und Fachbach

 

...Backofenfest - Radieschenfest - Pfarrfeste in Braunfels -

Im Knast verging mir das Feiern...

 

 Schau dir mal das Video vom Plenterfest 1974 an:

https://digit.swr.de/entries/104639 

 

22  Was hat der Meister denn da oben in der linken Hand?

Es ist der Erfinder des 2. Jahrtausends zusammen mit seinen Helfern. Es ist kein Handy. Die Drei stehen auf dem Roßmarkt in Frankfurt nicht weit vom Goethe-Denkmal. Einer der Drucker hat auch so ein kleines Ding in der Hand (die Taube auf seinem Hut ist echt) der andere ein Buch. Jetzt weißt du es: es ist ein beweglicher Letter, ein Buchstabe. Was uns alles fehlen würde, wenn Gutenberg das nicht erfunden hätte, das Drucken - dann säßen in den vielen Hochhäusern hier unzählige Mönche und würden unzählige Handschriften abschreiben. Die Buchmesse hätte wieder in die Paulskirche gepasst, wo sie schon mal war. - Aber inzwischen gab es längst die nächste Revolution ohne bewegliche Lettern, ohne Farbe und Papier. -  Warten wir auf das Denkmal.

21 Zurück nach Rodgau mit der S1.

An der Konsti setzen sich zwei junge afghanisch aussehende Männer neben mich. Ich habe richtig geschätzt. "Wohin?", "Weiskirchen",  "Schillerstraße 7?" Das ist eine der Flüchtlingsunterkünfte in Rodgau. Sie verstehen gut Deutsch; das sprechen ist nicht so einfach. Einer arbeitet in F-Griesheim in einer Auto-Werkstatt. Hat schon in Afghanistan als KFZ-Mechaniker gearbeitet. Der andere ist bei REWE in Neu Isenburg beschäftigt. Besser Deutsch lernen wäre nun so schwierig, weil sie arbeiten. Aber dort lernten sie ja auch. Im Nu sind wir in Weiskirchen und verabschieden uns. Ein schönes Ende des Samstags!

  20​ Das macht uns Grauhaarigen richtig Spaß:

Fahnen schwenken, trillerpfeifen, Eu-ro-pa schreinen, klatschen. Aber die Alten sind nicht allein; da sind auch viele Midlifes, und Jugendliche auch. Es geht gegen EU-Feindlichkeit, um den Erhalt des  über 70jährigen europäischen Friedens, um mehr Bürgernähe der EU, um Flüchtlingshilfe, Toleranz und Verständnis. Der kleine Demonstrationszug um dem Block, die guten Kurzreden der Landespolitiker (Afd war nicht eingeladen), die Frankfurter Amerikanerinnen vom Women´s March, der Vorsitzende des deutschen Börsenvereins und einige mehr, beeindruckten und machten guten Mut. Und wie immer zum Schluss Insieme..Unite, unite Europe in tanzenden großen Kreisen. 13.10.2018

19  Die GERECHTIGKEIT ist wieder in Frankfurt. - Nicht lange nachdem ich das eine Foto von ihr gemacht habe, war sie verschwunden. Jetzt ist sie wieder aufgetaucht mit einem Riesenkran auf den Brunnen gehievt, nach einer Ganzkörperkur - und schwarz gewachst: die JUSTITIA auf dem Römerberg von 1611. Das will was heißen, die Justitia mit unverbundenen Augen. Zu manchen Zeiten hätte man sie eher mit verbundenen Augen dargestellt. Auch die Waage war im Lauf der Jahre mal hin und wieder verschwunden. Ich habe es erlebt: unnötig lange Untersuchungshaftzeiten bei zweifelhaften Zeugen, voreingenommer Richter, profitgierige Anwälte, Penner und Junkies eingelocht statt Gemeinnützige Arbeit zu verordnen, fragwürdige Deals; "Nun muss ich mir doch mal überlegen, ob ich ihn nicht frei lasse", meinte ein Staatsanwalt auf meine Intervention hin.; Willkür? Weichkochen? - Dann war ich wieder in der Stadt zur DEMO von PULSE OF EUROPE und #WIR SIND MEHR. Die Aufgehübschte habe ich am 13.10.2018 fotografiert. Jetzt ist sie Lady in Black. Der Brunnen fließt noch nicht, kein Gitter nur eine Absperrung drumrum. 13.10.2018

18 "Gut, dass es des heut noch gibbt"

Die S1 fährt mir vor der Nase weg; da setze ich mich in der B-Ebene in eine kleine  durch eine vom Samstagstrubel durch eine Glasscheibe abgetrennte Ecke bei Heberer, schlürfe einen Kaffee und kaue einen gummiartigen Salzbrezel. Da sehe ich hinter Glasscheibe draußen einen Fuß der auf etwas Buntem steht, steht und steht. Ich höre nichts. Nach Sekunden rennt gestikulierend einen Frau heran, bückt sich, nimmt das Bunte und bedankt sich mit ihren Handbewegungen: es ist Geld. Eine alte Frankfurterin am Nebentisch hing wie ich mit dem Blick an dem Fuß: "Gut,dass es des heut noch gibbt." Ich mache den Daumen hoch, toll! 13.10.2018

17 Bücher liebe ich

Als Schüler und Student war ich öfter auf der Frankfurter Buchmesse. Meine Umzüge waren deshalb so anstrengend, weil ich zentnerweise Bücher mitgeschleppt habe. Dieses Büchergestell hat mir ein Schreiner in Niederlahnstein geschnitten, als ich in der Bahnhofstraße 1968 als Jugendpfarrer angefangen habe. Jetzt steht es immer noch in unserem Keller. Und es wurden immer mehr Bücher. Jetzt faszinieren mich ALTE BÜCHER, die ich im Internet finde und herunterlade, quasi eBooks. Sie stammen aus nationalen und internationalen Bibliotheken. Folgend 2 Links als Beispiel: 

 

https://books.google.de/books?id=4EhNAAAAYAAJ&printsec=frontcover&dq=The+state+of+prisons&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjPydG4iPrdAhUnsaQKHTPFCOEQ6AEIJzAA#v=onepage&q=The%20state%20of%20prisons&f=false

 

https://books.google.de/books?

id=4l8AAAAAcAAJ&pg=PP1&dq=H.B.Wagnitz+Merkw%C3%BCrdigste&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjKqZLSi_rdAhVI_aQKHfsQCsEQ6AEILTAB#v=onepage&q=H.B.Wagnitz%20Merkw%C3%BCrdigste&f=false 

2.Band 2. Hälfte

 

Kannst du beliebig erweitern - bei books.google.de. Aber auch bei archive.org

 

Das Foto unten stammt aus Nievern. Da  war das Büchergestell schon zum 4. mal aufgebaut. Der Lehrer aus Nievern - und was machen die Jugendlichen aus Lahnstein hier ein Zwilling, Charlay, Günter...?

 

16 "Der Willkommen"

Als mir Helmut im Einmal-Anders-Club (EAM) im Katholischen Vereinshaus in Niederlahnstein unter allgemeiner Heiterkeit einmal den Hintern versohlte, meinte er: "dem Pfarrer Gert die Sünden austreiben". Damals habe ich mir nichts dabei gedacht, es mehr als eine Freundschaftshandlung empfunden wie "Wen Gotte liebt den züchtigt er...." Spr. 3,2 - Viele Jahre danach ist mir klar geworden, das hatte er aus dem Vinzenzstift in Aulhausen, wo er aufgewachsen war. Im Jugendclub dann natürlich nicht mehr in der ursprünglichen Bedeutung angewandt. Die religiöse Begründung für eine körperliche Züchtigung, wenn der "Züchtling" was ausgefressen hat, ist ja der Hammer (von heute aus gesehen). Später entdeckte ich den "Willkommen", John Howard in seinem "State of Prisons..." 1777:

Das gab es auch in den Zuchthäusern des Erzbistums Mainz.: " Bei der Aufnahme wurden die Züchtlinge gemeiniglich mit sechs Schlägen bewillkommen.Nach dem Reglement von 1743  > Hoffmann, Das Gefängniswesen in Hessen, S. 7

Mehr zur Prügelstrafe > https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperstrafe 

15 19 Jahre Knast - länger als Lebenslänglich

1985 - 2004 Glaub ja nicht, dass ich diese Jahre bedauere! Schlimm war die "Käfighaltung" in der Untersuchungshaft für die Männer in Frankfurt-Preungesheim (JVA I), waren die langen U-Haft-Zeiten, die Suicide (jedes Jahr mindestens 3, zuletzt einmal 8), die knallharte Haltung des Anstaltsleiters und die Probleme, die die meisten Männer in die Haft geführt hatten - die waren durch die Tat ja nicht verschwunden. Und da gab es ja auch die wirklich Unschuldigen. Was dazu gehörte waren Telefonate mit Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern. Öftere Kontakte mit dem Justizministerium, Presse- und Informrationsarbeit. Wenn die Zustände nicht öffentlich werden, dachte ich, werde ich im Knast verdorren.
Zuständig war ich auch für die  Frauenanstalt (JVA III) und das Gustav-Radbruch-Haus, der Offene Vollzug (JVA IV). Bis heute ist das ein Gefängniskomplex. Das war dann einfacher, weil seit Jahrzehnten echte Resozialisierungsarbeit betrieben wurde und gute MitarbeiterInnen dort tätig waren. Als Gefängnisseelsorger habe ich in Frankfurt mehr Seelsorge und Soziale Hilfe gemacht als in den 20 Jahren als Jugend- und Gemeindeseelsorger davor. Ausserdem hatte ich dieser Aufgabe ja auch gerne zugestimmt, als Bischof Kamphaus sie mir angeboten hat.
Auf die 12 harten Jahre in Frankfurt bin ich dann als Sozialarbeiter mit in die neue JVA Weiterstadt gewechselt und durfte dort das Entlassungsprojekt betreiben: der Versuch, mit Untersuchungsgefangenen ihre Entlassung vorzu- bereiten. Immerhin kommen 50% von ihnen nach der Gerichtsverhandlung wieder in Freiheit, ein seit vielen Jahrzehnten gleich bleibender Prozentsatz. In der JVA Weiterstadt war ich dann auch bald für Ehrenamtliche zuständig. Um das im Rhein-Main-Gebiet vorhandene Hilfsangebote für die Inhaftierten, Entlassenen, Angehörigen und Ehrenamtlichen zu erschließen, nahm ich dann Kontakte zu etwa 60 Einrichtungen der Sozialen Hilfe auf. Fast alle habe ich besucht, ... und viele zu "Ehrenamtlichen" gemacht, damit sie einfacher ihre Klienten besuchen konnten.
Ich würde 19 Jahre wieder so machen - und mit dem bis heute erworbenen Wissen - besser.
 5. Oktober 2018

14 Der GROßE FELDBERG

im Taunus war immer im Blick: 1939 bis 1964 von vorne, 1965 bis 1985 von hinten. Und ab 1985 wieder von vorne. Aus der Main-Ebene von Frankfurt-Nied siehst du ihn wie oben, links davor sein treuer Keltenwächter, der Altkönig. Aus Rodgau-Jügesheim sind die beiden Berge verdreht; der Altkönig ist nach links gerückt.

 

So oft waren wir auf Hessens höchstem Berg: das erste Mal auf dem Bild  oben am 26.2.1939. Zugegeben, ich habe nichts gesehen - aber meine Eltern links, meine Kusine Bussel und die Tante Maria (der Onkel Rudolf hat fotografiert) rechts. Ich war ja noch nicht fertig!

 

Jeden Winter sind wir mit unserer KJG-Gruppe über den Fuchstanz nach Obereifenberg gewandert, haben dort im Haus des Kath. Jugendamtes Frankfurt übernachtet und sind gerodelt bis zum Umfallen.  Im Römerkastell unterhalb des Kleinen Feldbergs gab es sogar mal ein Zeltlager.

 

Eine angeheiratete Tante hat mir mal ein Moped geschenkt. Muss so um 1960 gewesen sein. Es war eine NSU Quickly. Ich habe die 1,5 PS getestet, habe die 800 m Höhenunterschied überwunden und kam wirklich auf den Feldberggipfel an. Heutzutage will man den Feldberggipfel für richtige "Mopeds" sperren. Besonders die "Applauskurve" an der Strecke zum Sandplacken hoch ist extrem gefährlich. Es gibt zu viele Unfälle und Tote. - 30. September 2018

 

13Steine

Die STEINE im Garten habe ich gestern wiederentdeckt. Sie könnten erzählen. In Nahaufnahme fotografiert setzen sie meine Fantasie in Gang. Die meisten Steine sind von irgendwo aus Europa. Einige haben sogar Geschichte: 

Am Steinstrand von Le Dramont zwischen Aigue und St. Rafael in der Provence. Am 15. August 1944 rutschten und rollten hier die Landungsboote und Panzer der 36. US Division in Frankreich ein, um das von den Deutschen besetzte Land vom Süden her zu befreien.

12 Über Justinus

Dieses wunderbare Bild links muss ich kommentieren. Es ist dieser Tage in der facebook-Gruppe Höchst-Historisch aufgetaucht. Der Blick über das Dach der Justinuskirche in Frankfurt-Höchst zeigt schon zwei Bauphasen, einmal romanisch (das gotische Fenster hat man später eingebaut) und dahinter der Chor gotisch (der Altar dann auch noch Barock). Diese älteste Kirche Frankfurts stammt aus dem 9. Jahrhundert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Justinuskirche_(H%C3%B6chst) 

 

Rechts die Nidda mit dem "Gaasebrickelsche", das auf die Wörtspitze rüber nach Nied führt. Mein Schulweg. Die Nidda fließt hier rechts gleich in den Main. Hinten links ein Teil des Bolongaraplalstes. Das "Häuschen" ist heute Standesamt. In dem Haus neben der Kirche wohnte während meiner Schulzeit Rektor Höckel, der Religionslehrer an der Leibnizschule. Interessierte Schüler hat er regelmäßig in sein Arbeitszimmer (hinter den 2 Fenstern im 1. Stock) zu Gesprächsabenden eingeladen. Diese Diskussionsrunden haben, glaube ich, uns Teilnehmer geprägt. In der Schule waren wir dann die Kadolische...

 

In Frankfurt-Höchst bin ich geboren; dort haben meine Großeltern und mein Vater gearbeitet - und ich als Werkstudent - im Weltunternehmen Farbwerke Höchst, der "Rotfabrik".  In Höchst war ich von 1950 bis 1959 in der Leibnizschule und habe mein Abitur gemacht. In Frankfurt-Nied haben wir gewohnt. Da lief der Alltag ab: Kindergarten, Niddaschule, Spielen, Schwimmen, Freizeit an Nidda und Main, Kinder- und Jugendgruppe in  St. Markus - und Messdiener. In Höchst ging man Einkaufen bei Hertie, in die Tanzstunde, in die Buchhandlung Bärtsch, zu den Jugendpredigten in St. Josef, ins Kino - und später auch ins Silobad. Ganz selten fuhr man mit der Trambahn in die "Stadt", gemeint ist die Innenstadt von Frankfurt.

11​Türme

Natürlich waren es meistens Kirchtürme, neben denen ich wohnte, in deren Kirchen ich tätig war. Ich mochte sie alle. Türme sind so etwas wie Zeigefinger: Obacht, mach sowas nicht! - aber auch nach oben: Denk weiter! - aber auch Einladung: "Komm, finde Ruhe, erlebe Geborgenheit, sei zu Hause in diesem Haus hier, gemeinsam mit den Anderen!" Hinter dem Alltäglichen, Sichtbaren das Besondere des Lebens, das Unsichtbare fühlen, schmecken... genießen. Und so seltsam es klingt, manchmal kommt mir der Wasserturm in Jügesheim, in dessen Nähe ich wohne, wie ein Kirchturm vor...

10Begegnung in Jügesheim

Wenn du von Jügesheim nach Frankfurt oder Darmstadt fahren wolltest, war das schon abenteuerlich. Von einer Rangierlok gezogen zockelte der Zug über die über 100 Jahre alten Gleise der Großherzoglich-Hessen-Darmstädtischen Staatsbahn. Bahnsteige gab es nicht; man mußte abspringen. Seit 2011 haben wir nun die S-Bahn, die S1, die zwischen Wiesbaden und Rödermark-Oberroden hin und her fährt. Die Park+Ride+Parkplätze an den Bahnhöfen, die immer wieder erweitert werden, zeigen, dass sie eine wichtige Ost-West-Verbindung ist.

9Und die Kanzlerin ruft die Hamas zur Mäßigung auf......

Vor ein paar Wochen hatte ich wirklich mal vor, mit einer Kippa durch Frankfurt zu laufen, um meine Haltung zum Antisemitismus zu zeigen. Wie bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Am Sonntag sind sogar Mitglieder der Frankfurter Stadtregierung mit einer solchen Kappe über den Römerberg gelaufen, während gleichzeitig israelische Soldaten Palästinenser abknallten, die es gewagt hatten, Steine zu werfen, den Stacheldraht zu beschädigen und Autoreifen anzuzünden. Da sollten sich Juden nicht wundern, wenn in Deutschland und auf der Welt der "Antisemitismus" wächst; apropos "Semitismus"! Sind denn die Araber keine Semiten? Also bekämpfen in Palästina (auch Israel ist Teil Palästinas) Semiten andere Semiten, nehmen ihnen ihr Land, die Öffnungen zur Welt, ihre Existenzrechte weg. Merken gar nicht, dass wachsende Not und Perspektivlosigkeit Gewalt erzeugen. Waren 1800 Jahre nicht da und beanspruchen nun ganz Palästina, das den Palästinensern gehört. Und wer etwas dagegen sagt, ist Antisemit: oh du krankes Israel! - Und das alles unterstützt von dem unberechenbaren Kindskopf aus den USA, der den Weltfrieden für seine egomanischen Aktionen aufs Spiel setzt. - Keine Waffenlieferungen mehr an Israel! Zahlt die Bundesrepublik übrigens immer noch Entschädigungen für den Holocaust an Israel? - 15.5.2018

8​Frankfurt - Hauptstadt des Verbrechens?

 

Frankfurt wird immer wieder in der Presse als "deutsche Hauptstadt des Verbrechens" bezeichnet. Schau genau hin; Ist es die Polizeistatistik, die sie anführen? Da werden nur die Verhafteten ausgewiesen. Ob Untersuchungshaft von einem Richter angeordnet wird, steht da nicht drin. Ist es die Kriminalstatistik? Dann ergibt das ein genaueres Bild, da kommen dann nur die wirklich Verurteilten vor. Ich habe auch  in meiner Zeit als Gefängnisseelsorger einige zu Unrecht Verurteilte erlebt...

 

Frankfurt liegt zentral im Westen  Deutschlands. Nicht nur der Rhein-Main-Flughafen bringt täglich Menschenströme in die Stadt. Bahn, Autobahnen liefern nach. An einem Arbeitstag sind mehr Menschen in der Stadt, als sie Einwohner hat. 

 

1603 veröffentlicht der Frankfurter Patricier Achill August von Lersner seine Chronik, die detailliert Informationen über Wetter Personalien, Kriminalität, Messen, Kaiserkrönungen, Hinrichtungen u.v. m enthalten. Was die Kriminalität in Frankfurt angeht, hat er es so ähnlich gesehen wie ich.

7Dummheit

Bonhoefer meint, dass es sich nicht lohnt gegen die Dummheit zu kämpfen. Sag was gegen einen Dummen, dann kannst du ganz schnell der Dumme sein. Kann man mit einem Esel diskutieren? Da habe ich mich erinnert, dass ich schon mal darüber sinniert habe.

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6​Aufplustern

Die Kohlmeise in unserem Garten  plustert sich auf. Da sie keine Schweißdrüsen hat, muss sie bei dieser Hitze ab und zu  lüften und  hecheln. Wenn sich Menschen aufplustern, ist das meistens peinlich. Ich kenne einen, der, wenn du was erzählst, sagt er in einer Minute 20 mal : "Weiß ich, kenn ich, weiß ich, weiß ich..." Da hast du nach 2 Minuten genug und haust ab. Oder - du erzählst etwas, was er garantiert nicht wissen kann - trotzdem: "Weiß ich, kenn ich..." Während es bei unserer Meise um reine Körperpflege geht, ist das Aufplustern bei Menschen eigentlich  reines Imponiergehabe. Die wollen dir ja nichts Böses, dir nicht - nur sich selber was Gutes.  Na ja, sollen sie es haben. Ich denke nach der aufschlussreichen  Begegnung mit unserer Gartenmeise eher mal daran, wann ich mich zuletzt aufgeplustert habe, und wie peinlich das war - der Andere hat es gemerkt!

5Schnee im September

Den ersten Schnee hatten wir schon am Morgen des  2. September  auf der Edelweißhütte in 2572 m Höhe. Tolles Gefühl, in Sandalen im Schneematsch herum zu laatschen (meine Sandalenspur im Schnee herwärts!). "Frau, schweig still"!- mein Befehl; weil sie beim Blick in die unendlich tiefen Schluchten der Hohen Tauern auf der Großklocknerhochalpenstraße immer wieder aufschrie. Mach ich sonst nicht. Wir hatten M+S-Reifen drauf. Trotzdem war ich ziemlich angespannt. Es waren aber nur ein paar Kilometer, dann war der Matsch weg. Dafür begrüßten sie uns an einer der letzten Kehren begeistert: die Almabtreiber mit ihren geschmückten Kühen. Wir hatten den ersten Schnee auf dem Dach und sie einen Grund, jetzt mit ihrem Abtrieb loszugehen. Die Szene müsste in Archiv eines österreichischen  Fernsehsendersenders gespeichert sein.

4Ich nicht Handy

Manchmal piepst es schüchtern in der Nacht, weil der Akku leer ist. Mein Handy ist wie ich uralt und in Rente. Wenn ich eine lebensgefährliche Radtour durch den finsteren Wald unternehmen werde, nehme ich es mit. Ich könnte ja unter die Räuber fallen. "Wie können Sie in der Nacht in den Wald fahren?" - "Heutezutage sind die Räuber in den Städten."

 

Gestern fahre ich am Jügesheimer Bahnhof vorbei: ich falle fast vom Rad. Da steht ein uralter Türke (mit sonem Käppi), ich denke zuerst, bin ich in Anatolien (das ist da, wo sie am heftigsten Erdogan zujubeln) und fummelt auf einem Handy herum. Mir steht der Mund offen. Ein Erdogan-Terrorist? Agent? Sinnierend streiche ich durch den Supermarkt, suche Ruhe, meditiere. Handys, „Haben wir noch Butter zuhause?“ Komme raus – da steht schon wieder so ein Alter diesmal deutschmäßig und fummelt.

 

Überall stehen Leute herum, fahren, laufen, streicheln, drücken und befummeln  diese Dinger. "Hallo, hier bin ich", habe ich geschrieen, als mich ein Radfahrer, der in sein Handy glotzte, beinahe umgefahren hätte. In der S-Bahn von Frankfurt ist es jeder Zweite, nur jeder Zehnte hat ein Buch in der Hand und liest, die anderen dösen vor sich hin und schrecken hoch, wenn einer in sein Handy brüllt: „Was machst Du heute Abend…Ja, ich muss mal sehen.“  Ich  schalte auf Abwehr – und nicht vergessen zu Hause: Handy aufladen, damit es mich in der Nacht nicht nervt. - 28. November 2015, leicht aktualisiert am  18. und 22. Juli 2017

3St. Markus Frankfurt-Nied

Die 1907 gebaute Kirche war für uns Mittelpunkt. Heirat meiner Großeltern Boxleitner und Eltern. Taufen, Erstkommunion, Messdiener, sogar Freizeitort im Keller und Gruppenraum. Als ich jetzt dort war , habe ich sie innen kaum wieder erkannt.

2​Multikulti waren wir schon immer

Gedanken nach einem Urlaub in Frankreich und Spanien

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1Geboren im Asyl, dem Storchenest - 1939

Was die Mitglieder der facebook-Gruppe HÖCHST-HISTORISCH alles ausgraben. Nun weiß ich, wo ich geboren bin. Im ASYL der Farbwerke Höchst - das wußte ich. Aber dass die Leute es Storchennest genannt hatten, wußte ich nicht - und dass es so aussah. Das Hakenkreuz auf dem Stempel des Standesamtes Frankfurt am Main - Höchst bleibt  ständige Mahnung, denn zwei  Monate nach meiner Geburt fing der 2. Weltkrieg an.

 

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© Gert Linz