In so einem Alter kannst du was erzählen
                                                                      In so einem Alter kannst du was erzählen                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

1 Habe Harry wieder getroffen 2 Hexenverfolgung in Hessen 3 Nied am Main und Nidda - 1218-2018 4 Kriegsgefangenzüge 5 Die Mehlwaage - das Frankfurter Schuldgefängnis 6 Die Alte Brücke und die Hinrichtungen 7  Kriminalität in Frankfurt und knallharte Leibesstrafen 8 Die Bayern in Nied am Main 1914 - Kriegslust erfüllt das Land 10 Das Straflager Rollwald 11 Die Wachen auf der Zeil 12 Kloster Arnstein als Gefängnis für sittenlose Priester 13 1918 - Die Revolutionsnacht 9.November in Frankfurt

131918 - Die Revolutionsnacht in Frankfurt, die „Hammelsgasse“ und „Preungesheim“

 

Im revolutionären Aufbruch entschlossener Massen scheinen, wie ein Vergleich mit dem Sturm auf die Bastille 1789 nahelegt, Gefängnisse das erste Ziel der Bewegungen zu sein. So auch „Preungesheim“ und die ‚Hammelsgasse’ in der Novemberrevolution. Ein Zeitzeuge berichtet:

Maria Anna Kilp – Ach wie ist das Leben schön, Hammelsgasse 6-10, S.46f

 

Das ist die Befreiungsnacht vom 8. auf 9. November 1918. Ringsum lohen die Wachtfeuer der Revolution. Hell erleuchtet sind die Straßen und Plätze der Stadt wie seit vier Jahren nicht mehr. Aufgelöst ist die alte Ordnung. Überall gärt’s und brodelt’s. Es zischt, Blasen steigen auf. Es ist etwas im Werden. Die Brust atmet frei!

         11 Uhr abends!

Die Straßen werden nicht leer. Immer neue Scharen ergießen sich in den Bahnhofsplatz. Dort steht einer mitten in einem Haufen, er steigt auf den Absatz eines Laternenpfahls, hält sich mit der einen Hand fest und spricht. Leuten, denen man es ansieht, daß sie noch nie im Leben eine Rede gehalten, löst sich die Zunge, und vom Feuer durchglüht, begeistern sie die Menge. Dort hört man den hundertstimmigen Ruf: es lebe die Republik, es lebe die Freiheit, hoch, hoch, hoch, und der Ruf pflanzt sich fort durch die Kaiserstraße und das Echo kommt zurück von der Hauptwache. Die Straßenbahnen sind ungewohnt leer. Eben springt einer ab, mitten in den Haufen hinein und redet. Von der entgegengesetzten Seite wälzt es sich bataillonsweise, die ganze Straßenbreite füllend. Vornweg zwei Matrosen, Arm in Arm, rechts und links die ganze Reihe angehängt. Soldaten, Arbeiter, Kaufleute, Junge, Alte, dazwischen Frauen, hochrufend und Freiheitslieder singend. Sie kommen von Preungesheim, wo sie Gefangene befreit haben. Manch Unwürdiger ist mit herausgekommen; was gilt's. Es ist auch schon manch Unschuldiger gehängt worden. Der Zug schwillt und schwillt, am Bahnhof hängt sich ein ganzes Regiment an. Drüben spricht wieder einer. Neuer Zustrom. Ein großer Haufe kommt aus dem Bahnhof mit einem Matrosen an der Spitze. Es ist M a l a n g, einer der ersten, die von Kiel gekommen waren. Am Bismarckdenkmal hält er eine Ansprache:

"Kameraden, wir wollen nur die Freiheit, aber keine Unordnung,  und wer plündert, wird erschossen!"

         "Bravo!"

Unter Hochrufen wälzt sich der Zug zum Gefängnis in der Hammelsgasse. Der Pförtner öffnet. Ein Aufseher übergibt Malang die Gefangenenliste.

         "Politische Gefangene sind hier keine?"

         "Nein!"

         "Dann ist's gut! Andere werden nicht freigelassen."

Das Telefon klingelt! Malang nimmt den Hörer ab:

         "Wer dort?"

         "Hier erster Staatsanwalt.....Mir wird soeben gemeldet, in der Hammelsgasse sammeln sich große Menschenmengen, um die Gefangenen zu befreien. Ein Soldatenrat, oder wie sich das Zeug nennt, soll der Anführer sein. Lassen Sie niemand raus."

         "Hier ist alles in bester Ordnung, Herr Staatsanwalt. Diebe werden keine freigelassen. Wir sind der Soldatenrat, Matrose Malang!"

Eine Antwort hat Malang nicht mehr bekommen. Es bleibt totenstill im Apparat.

Jakob Altmaier, Frankfurter Revolutionstage, Frankfurt am Main 1919, S.13f

Die ‚Frankfurter Bastille’ wurde am 9. November 1918 von einer Volksmenge gestürmt. Entgegen der Anordnung des revolutionären Kieler Matrosen Malang, nur die politischen Gefangenen zu befreien, wurden alle Gefangenen befreit. Dabei wurden die Verwaltungsräume geplündert und in Brand gesteckt. Kilp S. 48

12 Kloster Arnstein | Gefängnis für sittenlose Priester

Kloster Arnstein bei Obernhof an der Lahn war von 1830 an einige Jahrzehnte  Gefängnis. Die Akten von Arnstein sind im Hessischen Staatsarchiv Wiesbaden (www.hauptstaatsarchiv.hessen.de). Dort wird in der Archivsammlung "Arnstein" das Kloster, das 1803 bei der Säkularisation aufgehoben worden war, mit diesen Namen belegt: Priesterhaus, Demeritenanstalt, Straf- und Besserungsanstalt, Corrigendenhaus.

 

Hier z.B. drei  Aktentitel:

 

-  Untersuchung wegen des sittlichen Lebenswandels und der Dienstführung des Pfarrers Wagner zu Hartenfels, dessen Entlassung aus dem Pfarrdienst und Verweisung in das Priesterhaus zu Arnstein 1844-1864

 

- Untersuchung gegen den Pfarrer Sehr zu Hillscheid wegen unsittlichen Lebenswandels, modo dessen Aufnahme in die Besserungsanstalt zu Arnstein 1846 – 1855

 

-  Untersuchung gegen den Pfarrer Müller in Marienrachdorf wegen unsittlichen Lebenswandels, nunmehr dessen Aufnahme in das Priesterhaus zu Arnstein 1849 – 1854

11 Die Wachen auf der Zeil

In den nächsten Tagen werde ich meine Sammlungen mal aufbereiten und hier präsentieren. Die Hauptwache und die Konstablerwache, unter denen heute  viele Tausende durchfahren,  waren zeitweise Polizeigefängnisse. Die "Konsti"  gibt es allerdings seit 1888  nicht mehr. In diesem Jahr ging das neue Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße in Betrieb, das zwei Weltkriege überstand und heute noch steht. Der Platz und Verkehrskontenpunkt heißt heute noch Konstablerwache. Die Hauptwache hatte man beim U-Bahn und S-Bahn Bau mal ein paar Jahre irgendwo zwischen gelagert und wieder aufgebaut Heute gibt es da keine Straßenbahnen mehr.

 

An die Hinrichtung des "Gretchens"(Faust) zwischen Hauptwache und Katharinenkirche denkt heute keiner mehr. Ihre letzten Tage verbrachte sie im Katherinenturm, den es nicht mehr gibt. Da haben sich die reformierten und lutherischen Seelsorger um sie gerissen. Jeder wollte der letzte sein. - Juristen haben vor Jahren den Prozess um die Kindsmörderin Susanna Margareta Brand nachgespielt. 

10 Das Straflager Rollwald

Es bestand von 1938 bis 1945  am heutigen Ortsende von Rodgau und an der späteren S-Bahn-Haltestelle vor der Endstation der S1 Rödermark-Oberroden. Viele Aussenlager gab es. Man sprach nicht gerne über das Unrecht, das so nahe bei der Bevölkerung 7 Jahre geschehen war. Nach dem Krieg war das Lagergelände überbaut worden. Übrig blieben  am südlichen Ende der Rhönstraße der große Gedenkstein und fünf Informationstafeln, die in drei Sprachen über das Straflager informieren. Es war übrigens kein KZ sondern eine reguläre Einrichtung der Justiz, die dem Oberstaatsanwalt Darmstadt unterstand. Die ausführliche Beschreibung des üblen Geschehens findet sich in dem Buch von Heide Fogel Das Lager Rollwald, erschienen 60 Jahre danach. Die evangelische Dekanantsjugend Rodgau hatte 1980 die Erinnerung wach gerufen und fand dann bei den städtischen Gremien und der Kreisverwaltung offene Ohren und Unterstützung für die Aufarbeitung und das Gedenken.

Im Sommer 1938 entstand unweit der südhessischen Gemeinde Nieder-Roden auf dem abgeholzten Gelände des Rollwaldes ein Barackenlager. In dem abgesperrten Arreal wurden in den Folgejahren bis zu 1500 Gefangene gleichzeitig, insgesamt über 10 000 Menschen inhaftiert. Das Lager diente bis 1945 dem Justizstrafvollzug im totalitären NS-Staat. Es gehörte zum Komplex der Gefangenenlager Rodgau mit den drei Stammlagern in Dieburg, Nieder-Roden (Rollwald) und Eich (bei Worms) sowie zahlreichen Außenlagern. Die Insassen mußten in der Umgebung zunächst schwere landwirtschaftliche Erschließungsarbeiten leisten. In den Kriegsjahren nach 1940 kamen sie vorwiegend in der Rüstungsindustrie in Süd- und Mittelhessen zum Einsatz. Die Gefangenen waren in zugigen Baracken in großer Enge untergebracht und durchlitten eine zermürbende und lebensbedrohende Haftzeit: Die Härte der Arbeit sowie Hunger und Unterversorgung bestimmten den Alltag in der Isolation des Lagers. Es gab unmittelbare Gewaltanwendung und menschlich abgründiges Verhalten einzelner Wachbeamten, aber auch Mitleid und heimliche Unterstützung. 200 Menschen überlebten den Aufenthalt im Lager Rollwald nicht und starben in den Jahren des Zweiten Weltkrieges.

9​ 1914 - Kriegslust erfüllt das Land 

Im Institut für Stadtgeschichte habe ich vor Jahren die Jahresberichte des Frankfurter Gefängnisvereins von 1868 gefunden. Der Verein heißt heute "Perspektivwechsel". Es ist die beeindruckende 150jährige Geschichte eines Bürgervereins, der sich um Straffällige, Haftenlasse und ihre Angehörigen kümmerte. 1914 hatte der Verein rund 1200 Mitglieder. Viele heute noch bekannte Namen tauchen in den Mitgliederlisten auf. 

Mit Kriegsbeginn leerte man die Gefängnisse und schickte die Insassen an die Fronten. Auch das Übergangsheim des Vereins wurde leer. Man stellte es dem Militär als Lazarett zur Verfügung. Zuchthäusler, die die bürgerlichen Ehrenrechte verloren hatten, durften nicht Soldat werden. Jetzt galt es mit allem vaterländischen Elan mit zu ziehen: Kriegsfürsorge begann. Frauen von Gefangenen konnten mitmachen, stricken, nähen, bügeln und sich so etwas zum Lebensunterhalt verdienen. Die Textilien wurden an die Front geschickt...

8Die Bayern in Nied am Main

"G'sund sammer" grüßten sie sich, wenn sie im Vereinslokal zusammen kamen. "Grüß Gott" war der Gruß auf der Straße. Die Bayern in Nied gründeten 1910 den Gebirgstrachten-Erhaltungs-Verein-Edelweiss. Es waren damals schon viele in Nied zugezogen, dass sich eine Vereinsgründung lohnte. Es waren Ober- und Niederbayern; vielleicht mehr Niederbayern, denn der in der Gegend entstandene Spitzname für Nied "Klein-Straubing" deutet darauf hin. Die Mitglieder schafften sich oberbayerische Trachten an. Das war nicht billig. 1923 leistete sich der Verein die Fahne. Sie ist im Heimatmuseum gelandet, als vor ein paar Jahren nur noch eine handvoll Mitglieder am Leben waren. Dort hat sie mir Dieter Kruska hoch gehalten.

Die Bayern in Nied haben wir der Farbwerke Höchst zu verdanken - und auch dem Reichsbahnausbesserungswerk Nied. Es gab damals schon genug Migranten mit einer anderen Sprache: "Pfürdi" - Und Konflikte gab es auch. Aber Wohlstand war für die Nieder auch drin. Die Bauern und Fischer konnten ihre kleinen Häuser aufstocken und Wohnraum für die Arbeiter schaffen. 

1960 - 50jähriges Jubiläum

https://www.rheinmaingauverband.de/vereine/edelweiss-frankfurt.html 

7 Kriminalität in Frankfurt in der Frühen Neuzeit und knallharte Leibesstrafen

6​DIE ALTE BRÜCKE 

in Frankfurt war schon immer ein bedeutender Übergang über den Main. 1401 war sie sicher schon da. Als Karl der Große auf der Flucht über den Main wollte, war sie offenbar der Legende nach noch nicht da: er stapfte er mußte durch den Main, durch eine Furt, die FRANKenFURT. Sie hat vieles erlebt und überstanden. Das Sprengkommando der Wehrmacht hat ihr auf Befehl der vor den Amerikanern fliehenden Nazi-Clique den Rest gegeben. Da mußte auch der BRICKEGIGGEL dran glauben, der  in immer neuen Ausgaben seit 1401 in der Mitte der Brücke stand und Furchtbares  erlebt hat. Immer saß er über dem Gekreuzigten. Wenn er nach Norden blickte, sah er jahrzehntelang am Frankfurter Brückenturm die Leichen des Fettmilchaufstandes hängen - und von 1366 bis 1613 mußte er immer wiede zusehen, wie man Verurteilte und die Körper der Selbstmörder in den Main schob. Er konnte zusehen, ob die Toten im Main Frankfurter Stadtgebiet verließen. Das war dann für die Stadt erledigt. Wenn nicht, wurden sie auf dem Gutleuthof begraben. 20.2.2018 und 24.8.2018

Der Brickegickel war immer dabei.
HINRICHTUNGEN_F-AlteBruecke-1366-1613-20[...]
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5Die Mehlwaage - das Frankfurter Schuldgefängnis

Von der Mehlwaage  aus dem Jahr 1438 blieb 1945 nicht mehr viel übrig. Die Straßen waren nur ungefähr zu erkennen; sie waren zu Trassen geworden - an Trümmerhügeln vorbei. Die Mehlwaage stand östlich hinter dem Dom am Garküchenplatz. Es war das Frankfurter Schuldgefängnis.. Die Gläubiger mussten für den Unterhalt der Schuldner zahlen. Wahrscheinlich nicht so einfach für die Schuldner: direkt nebenan verströmten die Garküchen, kleine Fressbuden, ihre Gerüche: Da meist Westwind war....Rindswörschtscher, Kadoffelsupp, Frigadelle, Kadoffelsalad, Grie Soos...."Häd isch do nie Schulde gemachd!!!" Besonders bei den Frankfurter Messen hatten die Garküchen heftigen Zulauf. Nach dem Krieg hat man den Platz überbaut oder zum  Parkplatz gemacht. Von dem alten Stadtteil bis zur Fahrgasse und natürlich darüber hinaus bis zur Judengasse ist nichts geblieben. Westlich des Domes ist gerade (2018) die Neue Altstadt entstanden. Wenn man da durchflaniert, kann man sich das alte Frankfurt gut vorstellen: großartig! Aber nicht vergessen: eigentlich  war es ein Armenviertel mit nicht sehr angenehmen Düften.- 26.2.2018

 

http://altfrankfurt.com/altstadt/DomOst/Garkuechenplatz/MehlwaageuFuersteneck.htm 

 

4Kriegsgefangenenzüge

Es muss 1945 oder 1946 gewesen sein. In Frankfurt-Nied sind wir Kinder immer auf die Eisenbahnbrücke (gibt es schon seit dem S-Bahn-Bau nicht mehr) und haben dort die Gefangenenzüge gesehen, mit denen die Amerikaner die deutschen Kriegsgefangenen nach Westen transportiert haben. Die Amerikaner waren  damals bis zur Elbe vorgedrungen und hatten dann Mitteldeutschland den Russen überlassen. Bald hatten wir kleine Päckchen dabei und warfen sie den Gefangenen in den offenen Güterwagen zu. Der Dank spiegelte sich in den lächelnden Gesichtern und heftigem Winken. Bild Geschichtsverein Nied: Überführung am Nieder Bahnhof

3Nied an Main und Nidda - 1218-2018 

 

Ein unbedeutender Ort zwischen Höchst am Main und Frankfurt, seit 1928 sind die 3 auch Frankfurt am Main. Da bin ich aufgewachsen, unbeschwert von der Geschichte, die aber auch hier zugeschlagen hat. Heute kann ich nach all den Jahren an der Lahn meine Wurzeln kaum wieder erkennen.

Aber ganz so unbedeutend war Nied dann doch nicht. Die Brücke über die Nidda spielte immer wieder eine wichtige Rolle. Sie war auf den Straßen von Frankfurt nach Mainz die einzige Niddaüberquerung, quasi ein Nadelöhr.

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Arbeiter aus Niederbayern und Baden nach Nied. in die Farbwerke Hoechst Die Einwohner beherbergten sie, bauten Ihre Häuser aus, wie z.B. in Alt Nied (Modelle aus dem Heimatmuseum unten), Nied wuchs auch mit meinen Großeltern.

Und 1918 nach dem I. Weltkrieg baute man das RAW, das Reichsbahnausbesserungswerk im Osten bis zum Nieder Wald - gleich dazu die Eisenbahnersiedlung, eine mustergültige Wohngegend.2.3.2018, 19.8.2018

2​ Hexenverfolgung in Hessen 

Das "Angstloch" im Büdinger Hexenturm wie es ähnlich in manchen Hexentürmen ausgesehen hat. Die der Hexerei Verdächtigen wurden nach unten gelassen und sich erst mal selbst überlassen: in Kälte mit Ungeziefer, Exkrementen und grausamer Ungewissheit...

 

Es hat lange gedauert, bis ich mich für die Hexenverfolgungen des Mittelalters (eigentlich Frühe Neuzeit 16./17. Jhd) interessiert habe - eigentlich erst so richtig im Lauf meiner Jahre in den Gefängnissen. Da gibt es Parallelen: die Hexen sind die Bösen - Gefangene müssen auch bös sein, sonst wären sie nicht im Gefängnis, auch im Untersuchungsgefängnis! Die gemauerten Zeugnisse der Hexenverfolgungen stehen noch überall im Land... 

 

Sieh dir mal an, was ich über Hexenverfolgungen in Hessen (alle Gebiete, die mal Hessen hießen) herausgefunden habe. 

23.3.2018

sengen und brennen
HEXENVERFOLGUNG_IN-HESSEN.pdf
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1 Habe Harry wieder getroffen                                  Auswanderung - Nachkriegshilfe aus USA

Es wird so um 1952 herum gewesen sein: Meine Eltern, mein kleiner Bruder und ich, wir standen auf einem Bahnsteig des Frankfurter Hauptbahnhofes, als der US-Militärzug einfuhr. Auf ganzer Länge sprangen MPs aus den Türen und schwirrten aus. Wir wurden immer kleiner und ehrfürchtiger. - Da kam ein lächelnder Hühne in wunderbarer Uniform auf uns zu, lächelte "Linz Family?". Es war der Admiral von der Panamazone Captain Harry Ransom, der Mann unserer "Tante aus Amerika" Anna May, die uns nach dem Krieg so viele Pakete geschickt hatte. Sie war wohl eine Kusine meines Vaters, geb. Banzhaf, aus Württemberg, deren Eltern nach Amerika ausgewandert waren. Ich habe auch einige englische Brocken gestottert. Wir wurden wieder größer bei dieser Begegnung.. - Gestern habe ich den Harry wieder getroffen - Im Tucson Daily Citizen von 1958und auch die Anna May. Der Harry war nicht nur in Panama sondern überall auf der Welt: Bis zum Vietnam-Krieg habe ich dann für die USA geschwärmt - und AFN gehört. - 4.3.2012

Die Lersner'sche Chronik von Frankfurt II - 1735
BUCH_Chronica_II-Lersner.pdf
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Die Lersner'sche Chronik von Frankfurt - 1706
BUCH_Chronica_I-Lersner.compressed.pdf
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NIED BRENNT - rechts zwischen Nidda und Main

Am Ende des Krieges zählte der Ort noch "fünf Nachbarn und einige ledige Leut".

1693 wieder aufgebaut zählt der Ort wieder 28 Familien darunter 13 Bauern und 7 Fischer.

Rund 100 Jahre später brach das Kriegsgeschehen wieder über den armen Ort wieder herein.

1919 war Nied dann bis zum Nieder Wald von den Franzosen bis 1932 besetzt.

Immer dabei der Grüne Baum , das Gasthaus über der Brücke an der Ecke links, wo meine Oma, die Nandl in Stellung war, bis sie 1912 den Hans Boxleitner heiratete. Beide kamen aus dem Bayerischen Wald aus Orten, die nur 10 km auseinanderlagen.

26.2.2018

FRANKFURTER GEFÄNGNISSE II

Von der Hauptwache aus gesehen stand der Katharinenturm rechts hinter der Katharinenkirche. Er war einer der vielen kleinen Gefängnisse im  Frankfurt dieser Zeit. 1772 war dort Susanna Magdalena Brandt bis zu ihrer Enthauptung auf dem Platz zwischen Hauptwache und Katharinenkirche inhaftiert. 

https://www.lagis-hessen.de/pnd/118673270

25.2.2018

Spiegelheft-Geschichte DIE NACHKRIEGSZEIT 1/2018 :

 Meine Zeit als 6 - 10 Jähriger.

 

Hunger hatten wir keinen. Es gab so einige Aktionen, an die mich in diesem Winter 1946/1947  davor und danach erinnere:

FRINGSEN: Mit meinem Vater, der schon aus der Kriegsgefangenenschaft zurückgekehrt war, auch den Persilschein hatte und Arbeit in den Farbwerken, zogen wir mit einem Leiterwagen an die Zweitbahn gegenüber vom Alemanniaplatz. Dahinter lag das RAW = Reichsbahnausbesserungswerk, wo mein Onkel  Gustav und Opa Boxleitner arbeiteten. Merkwürdigerweise hielten da oft Kohlenzüge. Die hatten ja im RAW nichts zu suchen, dennoch waren die Signale öfter auf HALT gestellt. Oder doch? Das waren doch Dampfloks, die dort repariert wurden - und die brauchten Kohle. Auf jeden Fall standen sie sehr lange auf den Gleisen der Taunusbahn. Zum Fringsen war viel Zeit...

Mein Vater war dann doch nicht so flink. Die Jungen waren schon hoch geklettert und warfen die Kohlen runter. Ich glaube ein paar Köhlchen blieben für uns übrig.

Gegenüber hat dann de Onkel Gustav Karriere gemacht, als Torhüter von Alemannia Nied. Und wie er die armen Spieler angeschrieen hat, wenn die nicht so spielten, wie er wollte. Für ihn habe ich in der Zeit davor"Kippe gestoche": ein Stecken mit einer Nagelspiesse unten; du pickst die Kippen auf, und der Onkel freut sich über die Tabakreste, da war de Babba noch nicht zurück aus der Gefangenschaft.

Bucheckern suchen im Taunus bei Lorsbach. Das habe ich mit meinem Vater gemacht. Ich sehe uns noch vor mir, wie wir in den lichten Wälder mit scharfem Blick auf den Boden viele dieser Ölquellen fanden. Ich hatte allerding nur ein kleines Säckchen.

Schnapsbrennen. Der Johann, mein Vater war Laborant in den Farbwerken Höchst. Da hatte er natürlich Zugriff auf viele Glasgeräte. In unserer Küche stand die Destillerie.

Schrotteln. Mit seinem alten Dixi-Fahrrad fuhr er in dieWetterau nach Rendel. Schnaps und das neu erfundene Waschmittel Hostapon waren die Tauschangebote für Kartoffeln, Eier und Gemüse. Ein paar mal dort gewesen, hatte man damals auch seine Bauern, die nicht nur Teppiche und Klaviere eintauschten. Einmal hatte er einen Zentner Kartoffeln auf dem Gepäckträger. Das waren Kerle und Fahrräder. Ich habe es noch jahrelange gefahren.  

 

Von wegen "Die Trümmerfrauen haben Deutschland aufgebaut" klingt ja gut, ist aber ein Fake- das hätten sie nie geschafft. Am Anfang waren auch in der Frankfurter Altstadt einige dabei - beim Trümmerbeseitigen. Die Männer waren tot oder in Kriegsgefangenschaft; da haben viele mit angepackt. Auch der OB hätte es nie geschafft - im schwarzen Anzug mit Presslufthammer. In der französischen und amerikansichen Besatzungszone war es sogar verboten, Frauen zur Trümmerbeseitigung einzusetzen. In Frankfurt war es bis 1964 die TVG (Trümmerverwertungsgesellschaft), die aus Trümmern und Beton Bausteine und Häuser gemacht hat. Das war der Verdienst von OB Kolb.

 

Bei der Frankfurter Rundschau habe ich  einen Beitrag von mir entdeckt - und einen aus der Eisenbahnersiedlung.

 

März 1945 - Als die Amis kamen

2x Chocolate von de Amis in Frankfurt- Nied

aus einem Link der Frankfurter Rundschau

 

Der Parteigenosse war schon abgehauen

Sie kamen auf beiden Seiten der Sauerstraße von der Mainzer Landstraße her, eng an den Hauswänden entlang, die Gewehre in beiden Händen: die Amerikaner. Ich sehe sie langsam näher kommen. Mich fast 6-Jährigen hatten sie wohl auf die Straße gestellt, damit die Befreier keine Gefahr befürchten sollten. Rechtzeitig gingen wir ins Haus, der Willi, die Frauen und ich. Der Parteigenosse war schon ein paar Tage vorher abgehauen. Angst hatten wir schon, als die GIs im Haus hochstiegen in den zweiten Stock. Der Offizier der Gruppe sah meine Mutter, die schwanger war, und mich daneben, er lächelte: „Okay.“ Dann waren sie weg und wir ganz schön erleichtert. Sie durchkämmten jedes Haus. – Es folgten die Sperrstunden. Da hingen ab 18 Uhr fast alle in der Sauerstraße an den Fenstern. Ich stand hinter dem Haustor, als ein Jeep mit US-Soldaten neben dem Bürgersteig vorfuhr. Der Schwarze auf dem Beifahrersitz bot mir "Chocolate" an. Er war der erste Schwarze, den ich sah. Ich traute mich nicht auf die Straße, auch wegen der Sperrstunde. „Ei, Gerti, sei doch net so blöd, geh doch hin …“, schallte es aus den Fenstern. - Ich ging hin.

Gert Linz, Rodgau

 

Amerikaner verschenkten Schokoladentafeln

Als die Amerikaner 1945 in Frankfurt-Nied in die „Eisenbahner-Siedlung“ einmarschierten, stand meine Mutter mit mir (Jahrgang 1942) auf dem Arm mit vielen Nachbarn auf der Straße „Grüne Winkel“. Die Amerikaner verschenkten Schokoladentafeln an die Kinder, auch an mich, wie meine Mutter es immer wieder in späteren Jahren erzählte. Meine Mutter ging jedoch der deutschen Propaganda auf den Leim, die Schokolade und andere Süßigkeiten seien vergiftet. Sie nahm mir die Tafel aus der Hand und warf sie in den nächsten Straßengully. Ich soll gebrüllt haben und war lange nicht zu beruhigen. Später hatte ich dann Schokolade satt, denn meine Mutter war als Küchenhilfe bei den Amerikanern in den besetzten Farbwerken in Höchst beschäftigt.

Gerd Pfenninger

 

 

 

 

Seit Jahren suche ich die Spuren der Hexenverfolgungen in den Orten, die einmal  Hessen hießen oder noch heißen: mit dem Fahrrad im Internet, Büchern und in alten Büchern aus archiv.org. und https://books.google.de/bkshp?hl=de&tab=wp. Unglaublich, was man da alles finden kann. Es sind Bücher, deren Urheberrecht abgelaufen ist. -  Heute habe ich Oberlahnstein dazu gepackt. Von Niederlahnstein habe ich keine Daten, war ja auch Trier. Bernhard Geil, der Stadtarchivar hat mir schon vor  Jahren Informationen geschickt. - Die Datei wird ständig bearbeitet und erweitert. Ist noch lange nicht fertig....

GEFAENGNISGESCHICHTE_Buch-2014.pdf
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So wird die Geschichte der Gefängnisse zur Geschichte der Straffälligenhilfe und zur Geschichte der Gefängnisvereine. An einem abscheulichen Geschehen kann man dabei nicht vorbei sehen. Die Hexenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts haben auch in Hessen Spuren hinterlassen. Mit dem Fahrrad habe ich die Hexentürme in meiner Umgebung gesucht und fotografiert, alte Bücher und Internetseiten gefunden, die den Wahn beschreiben. Am Geschrey des Pöbels kommt man bei all diesen Recherchen nicht vorbei. Und auch die Bettler werden in der Geschichte des Gefängnisses ihren Platz bekommen. 

 

Braunfels im Aufgang zum Schloß: Die BESE HERBERG
Belagerung von Höchst am Main 1622. Nied brennt

Noch mal ein Blick zurück ins Jahr 1622, als die Schlacht bei Höchst schlimmste Verheerungen über die Gegend brachte. Nied brennt, Truppen umschwärmen die westliche Stadtmauer von Höchst, überqueren auf einer selbst gebauten Brücke den Main. Links hinter Höchst lauert die Armee Tillys. Wo links vorne der Wehrturm steht, baute man 400 Jahre später das Leibniz-Gymnasium. Heute steht dort auch das Hallenbad. - Da bin ich geboren und aufgewachsen.

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© Gert Linz