Mutter-Kind-Heim bei der Frauenhaftanstalt ( JVA Fankfurt am Main III) - Der "Fremdkörper" im Strafvollzug
 Mutter-Kind-Heim bei der Frauenhaftanstalt ( JVA Fankfurt am Main III) - Der "Fremdkörper" im Strafvollzug

Zachäus-Verein

ZACHÄUS war genau der Typ, den wir für einen

 Straffälligenhilfeverein brauchten: Die Story seiner gelungenen Resozialisierung solltest du bei Lukas  19, 1-10 nachlesen

 

Zachäus-Gruppe

 22. Dezember 2006

 

Zachäus-Arbeitsgruppe

Wir stellen uns vor

Ein Schreiben aus Bogota, Mai 2002

Ein Interview mit Ulrike Holler (HR I) zum 10jährigen

Der Zachäusverein

waltraud.knapp@caritas-frankfurt.de

 

Begonnen haben wir im November 1992 - damals als Zachäus-Verein; auf Initiative von Gert Linz von der kath. Gefangenenseelsorge fand sich eine Gruppe ehrenamtlich tätiger Frauen und Männer, die sich der Gefangenenhilfe in der JVA I und III in Frankfurt Preungesheim widmete. Von der biblischen Gestalt des Steuereintreibers Zachäus, unserem Namensgeber, wird behauptet, es sei der erste bekannte Fall einer "gelungenen Resozialisierung" gewesen. Das macht Mut, lässt aber in der Praxis oft erfahren, wie schwer solche Ziele zu erreichen sind.

 

   Der hohe Ausländeranteil in der Haftanstalt veranlasste Misereor, Projekte des Vereins als Entwicklungshilfe finanziell zu fördern, so dass schon bald Bildungsangebote gemacht werden konnten, die den Gefangenen nach der Entlassung bei der Existenzsicherung helfen sollten. Später finanzierte auch terre des hommes ein Projekt; ebenso flossen Bußgelder in die Vereinskasse. Auf diese Weise konnte der Verein verschiedene Kurse anbieten, wie z.B. Englisch fur spanisch Sprechende, Nähkurse, Friseurkurse, Computerkurse rur für Anfänger in verschiedenen Sprachen. In Härtefallen wurden Telefonkosten zur Kontakterhaltung mit Angehörigen in den Entwicklungs­ländern übernommen oder auch nach eingehender Prüfung Einzelfallhilfen gewährt.

 

Von Anfang an hatte der Verein nur eine kleine Mitgliederzahl und eine noch kleinere Gruppe von Aktiven. Der Verwaltungsaufwand schien schliesslich zu hoch angesichts der knappen Geldmittel. Daher fand der Vorschlag einer Eingliederung des Zachäus­Vereins in den Caritasverband Frankfurt e.V. allgemeine Zustimmung. Die Arbeit sollte sich nunmehr auf die JVA III, die Frauenhaftanstalt, konzentrieren, die einen Ausländeranteil von über 60% aufwies.

 

Zachäus konnte nun erleichtert vom Baum heruntersteigen; kein lästiges Schreiben von Sitzungsprotokollen, keine Abrechnungen, Verwaltung von Mitgliedsbeiträgen, keine Suche nach geeigneten Versammlungsräumen etc. etc. würden ihn künftig belasten! ­

 

Im August 2000 fand das erste Treffen der Zachäus-Arbeitsgruppe unter dem Dachverband der Caritas in den Räumen Alte Mainzer Gasse 10 statt. Dort fühlt sich unsere Gruppe inzwischen bei den monatlichen Sitzungen willkommen, wodurch auch unsere Arbeit - so meinen wir - positiv beeinflusst wird.

 

Fast ausnahmslos sind wir als Betreuer/innen in der JVA III in Preungesheim tätig, manche von uns schon 10 Jahre und länger. Unser Hauptanliegen im Umgang mit den vorwiegend ausländischen Gefangenen ist, ihnen ein Stück Menschenwürde zu geben und sie in ihrer Not verständnisvoll anzunehmen. Durch regelmässige meist wöchentliche Besuche können wir ein Vertrauensverhältnis zu unseren Schützlingen aufbauen. Das so wichtige persönliche Gespräch oder nur einfaches Zuhören kann von den Mitarbeitern der Anstalt schon allein aus zeitlichen Gründen nicht ermöglicht werden. Wir sind daher in gewisser Weise Familienersatz und haben den Vorzug, aufgrund unserer Ehrenamtlichkeit nicht als Teil des Justizapparats wahrgenommen zu werden.

 

Gleichwohl sind wir ein nicht zu unterschätzendes Bindeglied zwischen den Gefangenen und den Justizangestellten und können manche Spannungen und Konflikte, auch zwischen den Frauen untereinander, entschärfen. Nicht immer ist es ein einfacher Weg, und manchmal machen wir uns auch unbeliebt mit Forderungen an die Justizverwaltung, die Veränderungen anstreben und unbequem sind. Das gegenseitige Vertrauensverhältnis sowohl den Gefangenen als auch den Bediensteten gegenüber ist jedoch immer die Grundlage und die absolute Diskretion eine Selbstverständlichkeit.

 

In praktischer Hinsicht können wir Kontakte zu den Familienangehörigen in oft weit entfernten Ländern pflegen, was häufig notwendig ist, da Telefonate nach draussen nur in begrenztem Umfang erlaubt werden. Bei der Abschiebung am Frankfurter Flughafen begleiten wir die Frauen und halten Kontakt zur Bundesgrenzschutzbehörde um zu vermeiden, dass der Abschiebungsvermerk in den Paß gestempelt wird.  Ein solcher würde sie bei der Ankunft im Heimatland als Straftäter brandmarken und die Sicherung der Existenz erschweren.

Wenn ein Gerichtstermin ansteht, sind Betreuer aus der Zachäus-Arbeits-gruppe nach Möglichkeit bei der Verhandlung anwesend. Wir können zwar keinen rechtlichen Beistand leisten, aber persönlichen Rückhalt geben.

Grenzübergreifend konnten wir z. B. in Kolumbien ein Projekt der dortigen kath. Kirche finanziell unterstützen mit dem Ziel, zurückkehrenden mittellosen Frauen als erste Anlauf- und Beratungsstelle zu dienen.

 

Die meisten von uns betreuen einzelne Gefangene in wöchentlichen Besuchen. Es gibt auch Gruppenbetreuung wie z.B. in einem Bibelkreis für spanisch- und portugiesischsprachige Frauen, der von drei Mitgliedern unserer Arbeitsgruppe geleitet und gestaltet wird.

 

Nach wie vor sind wir bemüht, das Kursangebot in der JVA III aufrecht zu erhalten. Wir finanzieren den Nähkurs im geschlossenen Vollzug und im Mutter-Kind-Haus der Anstalt. Nach Möglichkeit statten wir die Frauen, die einen Nähkurs besucht haben, bei Abschiebung mit einer neuen Nähmaschine aus. In einigen Fällen konnte das schon helfen, in der Heimat eine Existenz aufzubauen.

 

Das in der Haftanstalt fast unlösbare Sprachproblem versuchen wir zu vermindern und fertigen Übersetzungen an in engl., franz., span. portugies. von den wichtigsten          Formularen (wie Hausordnung, Anträge für verschiedene Leistungen). Dafür sind wir aufgrund unserer Nationalitätenvielfalt in der Gruppe bestens gerüstet, was auch eine unserer besonderen Stärken ausmacht. Denn zur sprachlichen Vielfalt kommt der kulturelle Austausch untereinander, auch wenn wir zahlenmässig nur eine kleine Gruppe sind. Unsere monatlichen Arbeitstreffen sind erfrischend vielseitig und lebendig. Wir haben dabei Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, Probleme zu besprechen, über Finanzierung von Einzelfallhilfen und Kursen zu beraten und vor allem in der Gemeinschaft wieder Mut und Motivation zu holen.

 

Wir sind eine offene Gruppe und laden herzlich ein zur Mitarbeit.

 

 

Caritas Frankfurt e.V.

 

Dienstag, 21. März 2006

 

 

 

 

Presse-Information

 

 

"Zachäus-Gruppe"

 

Senfkornpreisträger 2006

Im November 1992 wurde die Frankfurter „ Zachäus-Gruppe “ als eine Gefangenenhilfsorganisation für die JVA I und III gegründet. Der Name kommt von der biblischen Gestalt des Steuereintreibers Zachäus , von dem behauptet wird, er sei der erste bekannte Fall einer „gelungenen Resozialisierung“ gewesen ( Lk . 19,1-10), weil er zuviel kassierte Gebühren erstattet hat.

 

Heute gehören rund ein Dutzend Männer und Frauen zur Zachäus-Gruppe . Sie betreuen Gefangene, die in der Haftanstalt Frankfurt-Preungesheim JVA III inhaftiert sind. Die Zachäus-Gruppe ist multikulturell zusammengesetzt, manche ihrer Mitglieder sind schon zehn Jahre und länger dabei. Seit 2000 gibt es eine Kooperation mit dem Caritasverband Frankfurt.

 

Das Hauptanliegen der Zachäus-Gruppe ist es, den Gefangenen ein Stück Menschenwürde zurück zu geben und sie in ihrer Not verständnisvoll anzunehmen. Durch die regelmäßigen, meist wöchentlichen Besuche, wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Wichtig sind die persönlichen Gespräche und das Zuhören. Dafür fehlt den Mitarbeiterinnen der Haftanstalt in der Regel die Zeit. Für viele Frauen bilden die Mitglieder der Zachäus-Gruppe einen Familienersatz.

 

Im Lauf der Jahre organisierte die Gruppe die verschiedensten Angebote, zum Beispiel Nähkurse . Inhaftierte Frauen können mit dem hier Gelernten nach ihrer Rückkehr in die Heimat ihren Lebensunterhalt verdienen. Nach Möglichkeit erhalten die Frauen, die einen Nähkurs besucht haben, bei ihrer Abschiebung eine neue Nähmaschine. Finanziert werden diese Kurse u. a. durch Spendengelder des katholischen Hilfswerks Misereor.

 

Die „ Zachäus"-Gruppe hat viele Kontakte in die Heimatländer der Gefangenen aufgebaut, so zum Beispiel nach Kolumbien, wo sich ein Pater um die früher in Frankfurt-Preungesheim inhaftierten Frauen kümmert. Er begleitet ihren Neuanfang und sorgt für Unterstützung, die finanziert wird mit Spendengeldern von „ Zachäus ". Viele Rückmeldungen   von betroffenen Frauen dokumentieren den Erfolg dieses Engagements.

 

Positiv wirkt es sich aus, dass die Ehrenamtlichen nicht als Teil des Justizapparates wahrgenommen werden. Das ist oft auch ein Vorteil bei Konflikten. Dann vermittelt „ Zachäus “ zwischen den Beamtinnen der JVA und den Frauen. Auch zu anderen Behörden hält „ Zachäus “ guten Kontakt und vermittelt im Interesse der Gefangenen.

 

Bei Abschiebungen am Frankfurter Flughafen begleiten Zachäus-Mitarbeiterinnen die Frauen und sorgen mit für geregelte Abläufe. Vor allem suchen sie zu vermeiden, dass ein Abschiebungsvermerk in den Pass gestempelt wird. In vielen Ländern brandmarkt ein solcher Stempel die Heimkehrer als Straftäter und kann ihnen dort den Aufbau einer neuen Existenz massiv erschweren.

 

Spendenkonto:

Caritasverband Frankfurt e. V.

Konto Nr. 3818055130

bei der Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 550 20 500

Spendenzweck/Stichwort: „ Zachäus "

 

Kontaktadresse:

Caritasverband Frankfurt e. V.

Fachstelle Ehrenamt

„ Zachäus-Gruppe “

Alte Mainzer Gasse 10

60311 Frankfurt

 

Pressekontakt:

Jane Lorenz, Tel. 069 316611

 

 

Auszug und Zusammenfassung aus einem Schreiben der

Fundacion Caminos de Libertad, Bogota an Paula Abril

Mai 2002

 

Wir möchten Dir und allen, die uns geholfen haben, einen Bericht zukommen lassen über unsere Arbeit in Kolumbien. Ohne Eure Hilfe hätten wir unsere Aufgabe nicht erfüllen können.

 

Zur Zeit  erstellen wir die Abrechnung über das erhaltene Geld. Wir haben inzwischen die vorgesehene Summe an Sra. E. H.C ausgezahlt. Zuletzt haben wir eine komplette Ausstattung für ihre Arbeit als Friseuse, die sie selbständig ausüben kann, finanziert (US $ 200). Sie und ihre Familie sind dafür sehr dankbar. Dem kleinen Sohn geht es gesundheitlich gut und auch ihr älterer Sohn lebt bei ihr.

 

Mit dem Geld für Y.J.S.R., die Tochter der Sra. M.S.R. haben wir, soweit es möglich war geholfen. Der Mutter geht es gut und sie hat Arbeit in einem Restaurant gefunden. Ihr Sohn, den wir während ihrer Gefangenschaft betreuten, ist arbeitslos und findet sich schlecht zurecht.

 

Mit dem von Zachäus überwiesenen Geld haben wir zwei Industrie-Nähmaschinen angeschafft, damit weitere Familienangehörige in Kursen ausgebildet werden können (Wert US $ 2.500).

 

...

Fredy Cardona Chica

(Pastoral  Penitentiaria Catolica)

 

Kurzlebig aber wirkungsvoll

 

 

In den Justizvollzugsanstalten Frankfurt am Main I und III (Untersuchungshaft Männer und Frauenanstalt) war die Kath. Seelsorge immer wieder mit sozialen Problemen konfrontiert, die besonders aus dem hohen Ausländeranteil kamen: 80 % Ausländer in der JVA I und 60 % in der JVA III in den späten 80er Jahren.

Wir wußten, dass wir nur über einen Förderverein bessere Hilfe würden leisten können. So reisten wir, Reinhold Philipp, Beate Uihlein und ich zum Kirchlichen Hilfswerk nach Aachen. Dem damaligen Leiter des Hilfswerkes Prälat Herkenrath und seinen Mitarbeitern schilderten wir in trostlosen Farben die Probleme der Inhaftierten und baten darum, doch kirchliche Entwicklungshilfe einmal in deutschen Gefängnissen zu erproben. Die Insasssen hätten Zeit, Lernbegierde und den Willen nach der Rückkehr in ihre Heimat sich energisch zu betätigen. Das Misereor-Gremium bewilligte uns 25 000 DM, wenn wir über einen „kirchlichen“ Verein tätig würden.

 

Nachdem am 30. November 1992 der Zachäus-Verein von Seelsorgern, Seelsorgehelfern, Ehrenamtlichen, Gemeindepfarrern und der Italienischen  Katholischen Gemeinde in Frankfurt gegründet war , begannen auch sofort die Aktivitäten. MISEREOR zahlte seinem einzigen Projekt in Deutschland die ersten  25 000 DM.[1]  Die Begründung für diese Entwicklungshilfe war einleuchtend: Es ist sehr einfach, Inhaftierten aus der Welt, hier im Gefängnis Bildungsangebote zu machen, die ihnen und ihren Familien später nach der Entlassug die Existenz sichern helfen. Dann werden sie nicht mehr als Drogenkuriere zurückkehren. Später finanzierte auch Terre des Hommes ein Projekt. Der Zachäus-Verein bot in den Frankfurter Anstalten I und III Englisch für Spanisch Sprechende, Nähkurse für Kinderkleidung, Friseurkurse, Computerkurse für Anfänger in verschiedenen Sprachen an. Teilnehmerzertifikate mit Beschreibung der Kursinhalte wurden  mitgegeben, aber auch die Nähmaschinen, die zu Hause sogar für Existenzgründungen[2] sorgten.

 

Bemerkenswert war die intensive „ehrenamtliche“ Tätigkeit von meist ausländischen Ordensleuten und Pfarrern (zeitweise 10-12), die als Seelsorgehelfer nach Verpflichtung durch Anstalt und Justizministerium unbehindert in beiden Anstalten wirken konnten.

 

Die Franziskaner-Provinz Fulda übernahm die Finanzierung zweier Übergangswohnungen für Haftentlassene und einer ABM-Kraft, die die mauernübergreifende Begleitung von Inhaftierten und Haftentlassenen zur Aufgabe hatte. So war auch das Arbeitsamt dabei. Geldbußen kamen durch das Amtsgericht Offenbach, mit denen die seelsorgliche und soziale Arbeit in der Abschiebungshaft in Offenbach unterstützt werden konnte.

 

Im Auftrag des Caritasverbandes Frankfurt war der Zachäus-Verein auch für die Fachaufsicht dreier Beratungsdienste: Ausländerberatung für Spanischsprechende, Psychologin für Spanischsprechende[3], Psychologin für Aidsberatung in der Frauenanstalt verantwortlich.

 

Den vielen ausländischen Gefangenen fehlte der Kontakt zu ihren Familien. Briefe dauerten Monate. So übernahm der Zachäus-Verein die Telefonrechnungen der Inhaftierten aus Entwicklungsländern. Auch Einzelfallhilfen an Entlassene oder Angehörige wurden immer  wieder nach intensiver Prüfung und Recherchen in Kolumbien gewährt.

 

Last not least übernahm dann  der Zachäus-Verein die Ehrenamtlichenarbeit der Katholischen Seelsorge in Frankfurt, führte Schulungen durch und begleitete die Ehrenamtlichen bei ihrer schwierigen Arbeit.

 

2000 wurde der Verein aus dem Vereinsregister ausgetragen. Die meisten Mitglieder bildeten danach die Zachäus-Gruppe beim Caritasverband Frankfurt. MISEREOR zahlt immer noch und die Gruppe arbeitet engagiert weiter.gl

] Zachäus-Gruppe

 

 

 

 

 

[1] Misereor finanziert Projekte der Zachäusgruppe bis heute 2006.

[2] Micro-Empresas

[3] Es gab in den späten 80er und bis in die Mitte der 90er Jahren zwischen 100 und 130 Spanisch Sprechende z.b. in der JVA Frankfurt I. In der JVA III waren weniger aber immer mindestens etwa 50.

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