In der noch nicht fertigen neuen Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt war ich mit den  anderen Hessischen Gefängnisseelsorgern schon einmal 1991 (?). Da bestaunten wir das großzügig angelegte Gefängnis, schauten neidisch umher. Unsere Arbeitsstätten sahen ganz anders, unmmenschlicher aus.

Im März 1993 wurde dann ein Großteil der fertigen Anstalt durch den Sprengstoffanschlag zerstört. Im unmenschlichen Betonklotz in Preungesheim wurschtelten wir weiter. Am 27. November 1997 begann dann eine neue Ära des hessischen Justizvollzuges. Ich durfte dabei sein - im Gefängnis zwischen den Spargelfeldern.

Neues Untersuchungsgefängnis in Weiterstadt - 1997                               Nach 12 Jahren in der JVA I in Frankfurt, in denen ich immer wieder öffentlich und mit Interventionen beim Justizministerium gegen die unmenschlichen Zustände dort aufgetreten bin, werde ich überraschend als Sozialarbeiter für das Entlassungsprojekt von der Inbetriebnahme an eingestellt.

Im Sommer 1997 hatte mich Hermann Kipper aus dem Justizministerium gebeten eine Ausschreibung für eine Koordinierungstelle in der JVA Weiterstadt zu entwerfen. Die JVA sollte in wenigen Monaten in Betrieb genommen werden. Ich wurde für diese Stelle eingestellt. Später sollte sie ENTLASSUNGSPROJEKT genannt werden. Was in der Ausschreibung stand, habe ich dann auch gemacht. Ich kann es heute noch nicht fassen, was ich damals für ein Glück hatte. Aber ich muss zu meiner Rechtfertigung sagen: " Ich habe auch Einiges ausgehalten und hart dafür gearbeitet, ohne zu ahnen, dass es diese Stelle einmal geben würde und dass ich sie erhalten würde. Noch kurz davor hatte ich Vorschläge gemacht, wie über den Zachäus-Verein Entlassungsvorbereitung und Entlassungshilfe und die dafür notwendige Logistik durchgeführt werden könnten. 

 

 

 

 

Meine 19 Jahre Knast 1997 - 2004

 

Nur zwei Jahre brauchten wir, um festzustellen, das

wir auch hier einen Förderverein brauchten; also haben wir ihn 1999 gegründet.

 

Meine Aufgabe war, das Entlassungsprojekt zu organisieren, ein überraschendes Angebot des Hessischen Justizministeriums, durch das ich aus dem Dienst des Bistums Limburg ausscheiden konnte. Einige Jahre hatte ich als Gefängnispfarrer in Frankfurt immer wieder jede Gelegenheit nutzend, auf die fehlende Entlassungsvorbereitung für Untersuchungsgefangene aufmerksam gemacht.  Dann meinten die Zuständigen im Ministerium: " Dann kann der Linz das doch in der neuen Untersuchungshaftanstalt Weiterstadt machen." Ich muss zugeben mit geringem Erfolg. Oder gab es keine Rückkoppelungen? Was ich gemacht habe?

  • Besuche bei etwa 60 Einrichtungendie ich dann zur Besichtigung der neuen Anstalt eingeladen habe. Fast alle kamen. Nach der Besichtigung habe ich sie gefragt, ob sie nicht den "Ehrenamtlichenstatus" in der Anstalt annehmen wollten; dann hätten sie leichteren Zugang zu den Untersuchungsgefangenen und brauchten nicht immer wieder die Zugangserlaubnis der zuständigen Richter oder Staatsanwälte anfordern. Die Frankfurter Haftrichter gaben bei einer Einweisung eines Tatverdächtigen immer mit anderen Genehmigungen automatisch die für den Kontakt mit Ehrenamtlichen (immer im Intranet der JVA nachzulesen). Bei anderen Amtsgerichten habe ich mich darum bemüht.
  • Alle Neuzugänge werden von mir  in einer wöchentlichenInformationsveranstaltung mit der Anstalt, den Gruppenangeboten und den Möglichkeiten nach der Entlassung unterzukommen, Kontakte zu Ämtern und Hilfeeinrichtungen aufzunehmen (Sozialämter. Stadtverwaltungen, Wohlfahrtsverbände,  Ausländerämter, ...).
  • Dafür braucht man natürlich was "in die Hand" und ins 
    Intranet der JVA, wo es in allen Abteilungen ausgedruckt werden konnte.
  • Informationen für Inhaftierte 
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© Gert Linz