Rodgau - jetzt meine Stadt vorne die Gleise der S1 hinten die Mühlstraße in Rodgau-Jügesheim
                                Rodgau - jetzt meine Stadtvorne die Gleise der S1 hinten die Mühlstraße in Rodgau-Jügesheim                                                                                                                                                                                                                      

Geschichte

hat mich schon immer interessiert. Besonders gefördert wurde dieses Interesse, nachdem ich in den Gefängnissen tätig geworden war. Wie ist das mit dem EINGESPERRTSEIN?. Was sind das für TÄTER? Wie VERWAHRT man sie? Wie BESTRAFT man sie? Und wie hat sich der SRAFVOLLZUG von den brutalen KÖRPERSTRAFEN des Mittelalters bis ins 18. Jahrhundert zu den Freiheitsstrafen entwickelt? Welche Rolle spielte die Hilfe für Straffällige dabei? Diese Fragen will ich hier vorwiegend im Blick auf Hessen zu beantworten versuchen. - Die Hexenverfolgungen, Bettler von damals bis heute, das unbekannte Wirken des Frankfurter Gefängnisvereins im zeitgenössischen Kontext und meine eigene Geschichte werden beschrieben.

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Von den "schauerlichen Höhlen des Unglücks" zu neuen Justizvollzugsanstalten
G_GefH--BUCH-GefängnisGeschichte-1326-20[...]
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sengen und brennen
HEXENVERFOLGUNG_IN-HESSEN.pdf
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Messdiener

 

Es hatte etwas Zauberhaftes an sich, Messdiener zu sein. Die Theatralik der alten Liturgie mit genau vorgeschriebenen Abläufen und Diensten. Besonders eindrucksvoll waren die Hohen Feste; aber auch Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten,  Fronleichnamsprozession.

Eigentlich kein Wunder, dass ich später Priester geworden bin.

 

Und später in Braunfels, Niederlahnstein, Nievern habe ich ihnen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Messdienerinnen kamen dazu. In St. Anna in Braunfels gab es dann neue Einsätze. Sie waren Lektoren bei den besonderen Gottes. Sie führten die Kollekten durch, brachten sie mit den Hostienschalen zum Altar. Gaben den Friedensgruß an die Gottesdienstbesuchern weiter und das Licht der Osterkerze und von der Krippe. Sie waren Kommentatoren bei besonderen Gottesdiensten. Sie bauten Mauern und rissen sie wieder ein, wie im Partnerschafts- und Egerländergottesdienst. In Kindermetten und Familiengottesdiensten waren sie aktiv. Sie waren begeisterte Sternsinger.   

In den Gefängnissen später gab es dann keine Messdiener mehr.

 

27.3.2018

Als ich vor ein paar Jahren Ottes = Ottmar Vorländer besuchte, als er noch Caritasdirektor im Main-Taunus-Kreis war, zog er plötzlich aus einem Schrank das Scheunentagebuch heraus und gab es mir. Die Überraschung war gelungen und meine Freude groß.

Bis heute erleben dort unzählige Kinder, Jugendliche und Familien,Ferienspiele, Feiern, Tagungen....Die Scheune ist ein Haus und ein Ort drumherum, ein Ort der Freiheit und Naturverbundenheit.

23.3.2018

Das "Angstloch" im Büdinger Hexenturm wie es ähnlich in allen Hexentürmen ausgesehen hat. Die der Hexerei Verdächtigen wurden nach unten gelassen und sich erst mal selbst überlassen: in Kälte mit Ungeziefer, Exkrementen und grausamer Ungewissheit...

 

Es hat lange gedauert, bis ich mich für die Hexenverfolgungen des Mittelalters (eigentlich Frühe Neuzeit 16./17. Jhd) interessiert habe - eigentlich erst so richtig im Lauf meiner Jahre in den Gefängnissen. Da gibt es Parallelen: die Hexen sind die Bösen - Gefangene müssen auch bös sein, sonst wären sie nicht im Gefängnis, auch im Untersuchungsgefängnis! Die gemauerten Zeugnisse der Hexenverfolgungen stehen noch überall im Land... 

 

Sieh dir mal an, was ich über Hexenverfolgungen in Hessen (alle Gebiete, die mal Hessen hießen) herausgefunden habe. 

NEU: Elz, Idstein, Darmstadt ergänzt, Seligenstadt, Steinheim-Niederroden, Burghardtfelden (Reiskirchen)...

15.März 2018

Gefängnisseelsorger

in den Gallineros ,

den Hühnerkäfigen, wie die Latinos den Knast nannten, in dem  zeitweise  600 und 1000 Untersuchungs-gefangene lebten, 60 und 80 % Gefangene aus aller Welt. Kannst dir vorstellen, wie ich mich nach BRAUNFELS - MÄRCHENLAND fühlte. Egal - ich hatte es ja so gewollt; und habe es eigentlich auch geschafft. - Wie? 

 Nachdem ich bei meinem Dienstantritt in der Wochenkonferenz der JVA Frankfurt am Main I die Flasche Bier ausgetrunken hatte - die feierten irgendwas - fand ich Anerkennung - aber bald merkte ich, dass ich nicht alles hinnehmen konnte, was ich da erlebte - und wie allein ich war: Frankfurt und Umgebung nahm überhaupt nicht wahr, was da in dieser Untersuchungshaftanstalt geschah. Ich mußte also informieren  und "Verbündete" suchen. Also fing ich an

-   die Pfarreien mit Rundbriefen anzuschreiben;

- Kontakte mit dem Stadtpfarrer Klaus Greef (früher Pfarrer von St.Martin und Bezirksdekan), den Seelsorgern der Gemeinden anderer Muttersprache (Italienern, Spaniern, Kroaten), dem Caritsverband, Arbeitskreis Straffälligenhilfe,  aufzunehmen;

- die Franziskaner und Jesuiten zur Mitarbeit zu bewegen.

Als Gefängnisseelsorger hat man in Hessen alle Arbeitsmöglichkeiten in den Justizvollzugsanstalten, muss sich an die Spielregeln des Vollzuges halten, man ist aber bei seinem jeweiligen Bistum angestellt. So hat der Anstaltsleiter nur begrenzte Macht über die Seelsorge und ich konnte auch öfter an die Öffentlichkeit gehen: Presse, Rundfunk, Fernsehen..

An das Justizministerium habe ich mich öfter gewandt, um über den Anstaltsleiter zu klagen - natürlich nicht auf dem Dienstweg! Ich mußte abwägen, wie weit kann ich gehen, ohne meine gute Stellung innerhalb der Anstalt zu gefährden....

Bald war ich auch für die Frauenanstalt (JVA Frankfurt am Main III) und den Offenen Vollzug (JVA Frankfurt am Main IV) zuständig. Hauptamtliche Mitarbeiter und Seelsorgehelfer und Ehrenamtliche kamen dazu.

....irgendwann mal mehr.

 

Dass ich es nicht vergesse, die oben gezeigte Anstalt wurde im November 1997 von Gefangenen und Personal geleert. Die neue Untersuchungshaft, die JVA Weiterstadt nahm sie auf - auch mich nun als Sozialarbeiter. 2002 wurden die Gallineros abgerissen. 

9.3.2018

Ein paar Jahre wohnte ich schon in der Nähe des Wasserturms, als ich eine andere Besonderheit der Stadt Rodgau am anderen, südlichen Ende entdeckte: Dort gab es während des II. Weltkrieges eine Strafanstalt (kein KZ) der Genaralstaatsanwaltschaft Darmstadt. Die einrückenden Amerikaner haben sie aufgelöst: das Lager Rollwald.

 

https://www.rodgau.de/media/custom/1888_64_1.PDF?1282183526

 

http://www.munavero.de/ - Der Verein hat die Erinnerung an das Straflager Rodgau und seine Aufarbeitung gefördert und ist heute die Basis für die Flüchtlingshilfe Rodgau.ar Jahre schon 

4.3.2018

Es wird so um 1952 herum gewesen sein: Meine Eltern, mein kleiner Bruder und ich, wir standen auf einem Bahnsteig des Frankfurter Hauptbahnhofes, als der US-Militärzug einfuhr. Auf ganzer Länge sprangen MPs aus den Türen und schwirrten aus. Wir wurden immer kleiner und ehrfürchtiger. - Da kam ein lächelnder Hühne in wunderbarer Uniform auf uns zu, lächelte "Linz Family?". Es war der Admiral von der Panamazone Captain Harry Ransom, der Mann unserer "Tante aus Amerika" Anna May, die uns nach dem Krieg so viele Pakete geschickt hatte. Sie war wohl eine Kusine meines Vaters, geb. Banzhaf, aus Württemberg, deren Eltern nach Amerika ausgewandert waren. Ich habe auch einige englische Brocken gestottert. Wir wurden wieder größer bei dieser Begegnung.. - Gestern habe ich den Harry wieder getroffen - Im Tucson Daily Citizen von 1958und auch die Anna May. Der Harry war nicht nur in Panama sondern überall auf der Welt: Bis zum Vietnam-Krieg habe ich dann für die USA geschwärmt - und AFN gehört.

 

2.3.2018

Nied an Main und Nidda

Da wurzelte ich.

Ein unbedeutender Ort zwischen Höchst am Main und Frankfurt, seit 1928 sind die 3 auch Frankfurt am Main. Da bin ich aufgewachsen, unbeschwert von der Geschichte, die aber auch hier zugeschlagen hat. Heute kann ich nach all den Jahren an der Lahn meine Wurzeln kaum wieder erkennen.

Aber ganz so unbedeutend war Nied dann doch nicht. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Arbeiter aus Niederbayern und Baden nach Nied. in die Farbwerke Hoechst Die Einwohner beherbergten sie, bauten Ihre Häuser aus, wie z.B. in Alt Nied (Modelle aus dem Heimatmuseum unten), Nied wuchs auch mit meinen Großeltern.

Und 1918 nach dem I. Weltkrieg baute man das RAW, das Reichsbahnausbesserungswerk im Osten bis zum Nieder Wald - gleich dazu die Eisenbahnersiedlung, eine mustergültige Wohngegend. 

NIED BRENNT - rechts zwischen Nidda und Main

Am Ende des Krieges zählte der Ort noch "fünf Nachbarn und einige ledige Leut".

1693 wieder aufgebaut zählt der Ort wieder 28 Familien darunter 13 Bauern und 7 Fischer.

Rund 100 Jahre später brach das Kriegsgeschehen wieder über den armen Ort wieder herein.

1919 war Nied dann bis zum Nieder Wald von den Franzosen bis 1932 besetzt.

Immer dabei der Grüne Baum , das Gasthaus über der Brücke an der Ecke links, wo meine Oma, die Nandl in Stellung war, bis sie 1912 den Hans Boxleitner heiratete. Beide kamen aus dem Bayerischen Wald aus Orten, die nur 10 km auseinanderlagen.

26.2.2018

FRANKFURTER GEFÄNGNISSE III

Von der Mehlwaage aus dem Jahr 1438 blieb 1945 nicht mehr viel übrig. Die Straßen waren nur ungefähr zu erkennen; sie waren zu Trassen geworden - an Trümmerhügeln vorbei. Die Mehlwaage stand östlich hinter dem Dom am Garküchenplatz. Es war das Frankfurter Schuldgefängnis. Die Gläubiger mussten für den Unterhalt der Schuldner zahlen. Wahrscheinlich nicht so einfach für die Schuldner: direkt nebenan verströmten die Garküchen, kleine Fressbuden, ihre Gerüche: Da meist Westwind war....Rindswörschtscher, Kadoffelsupp, Frigadelle, Kadoffelsalad, Grie Soos...."Häd isch do nie Schulde gemachd!!!" - Besonders bei Messen hatten die Garküchen heftigen Zulauf.

Nach dem Krieg hat man den Platz überbaut. Von dem alten Stadtteil bis zur Fahrgasse und natürlich darüber hinaus ist nichts geblieben. Westlich des Domes ist gerade (2018) die neue Altstadt entstanden. Wenn man da ab Mai 2018 durchflaniert, kann man sich das alte Frankfurt gut vorstellen: großartig! 

 

http://altfrankfurt.com/altstadt/DomOst/Garkuechenplatz/MehlwaageuFuersteneck.htm 

 

26.2.2018

FRANKFURTER GEFÄNGNISSE II

Von der Hauptwache aus gesehen stand der Katharinenturm rechts hinter der Katharinenkirche. Er war einer der vielen kleinen Gefängnisse im  Frankfurt dieser Zeit. 1772 war dort Susanna Magdalena Brandt bis zu ihrer Enthauptung auf dem Platz zwischen Hauptwache und Katharinenkirche inhaftiert. 

https://www.lagis-hessen.de/pnd/118673270

25.2.2018

Spiegelheft-Geschichte DIE NACHKRIEGSZEIT 1/2018 :

 Meine Zeit als 6 - 10 Jähriger.

 

Hunger hatten wir keinen. Es gab so einige Aktionen, an die mich in diesem Winter 1946/1947  davor und danach erinnere:

FRINGSEN: Mit meinem Vater, der schon aus der Kriegsgefangenenschaft zurückgekehrt war, auch den Persilschein hatte und Arbeit in den Farbwerken, zogen wir mit einem Leiterwagen an die Zweitbahn gegenüber vom Alemanniaplatz. Dahinter lag das RAW = Reichsbahnausbesserungswerk, wo mein Onkel  Gustav und Opa Boxleitner arbeiteten. Merkwürdigerweise hielten da oft Kohlenzüge. Die hatten ja im RAW nichts zu suchen, dennoch waren die Signale öfter auf HALT gestellt. Oder doch? Das waren doch Dampfloks, die dort repariert wurden - und die brauchten Kohle. Auf jeden Fall standen sie sehr lange auf den Gleisen der Taunusbahn. Zum Fringsen war viel Zeit...

Mein Vater war dann doch nicht so flink. Die Jungen waren schon hoch geklettert und warfen die Kohlen runter. Ich glaube ein paar Köhlchen blieben für uns übrig.

Gegenüber hat dann de Onkel Gustav Karriere gemacht, als Torhüter von Alemannia Nied. Und wie er die armen Spieler angeschrieen hat, wenn die nicht so spielten, wie er wollte. Für ihn habe ich in der Zeit davor"Kippe gestoche": ein Stecken mit einer Nagelspiesse unten; du pickst die Kippen auf, und der Onkel freut sich über die Tabakreste, da war de Babba noch nicht zurück aus der Gefangenschaft.

Bucheckern suchen im Taunus bei Lorsbach. Das habe ich mit meinem Vater gemacht. Ich sehe uns noch vor mir, wie wir in den lichten Wälder mit scharfem Blick auf den Boden viele dieser Ölquellen fanden. Ich hatte allerding nur ein kleines Säckchen.

Schnapsbrennen. Der Johann, mein Vater war Laborant in den Farbwerken Höchst. Da hatte er natürlich Zugriff auf viele Glasgeräte. In unserer Küche stand die Destillerie.

Schrotteln. Mit seinem alten Dixi-Fahrrad fuhr er in dieWetterau nach Rendel. Schnaps und das neu erfundene Waschmittel Hostapon waren die Tauschangebote für Kartoffeln, Eier und Gemüse. Ein paar mal dort gewesen, hatte man damals auch seine Bauern, die nicht nur Teppiche und Klaviere eintauschten. Einmal hatte er einen Zentner Kartoffeln auf dem Gepäckträger. Das waren Kerle und Fahrräder. Ich habe es noch jahrelange gefahren.  

 

Von wegen "Die Trümmerfrauen haben Deutschland aufgebaut" klingt ja gut, ist aber ein Fake- das hätten sie nie geschafft. Am Anfang waren auch in der Frankfurter Altstadt einige dabei - beim Trümmerbeseitigen. Die Männer waren tot oder in Kriegsgefangenschaft; da haben viele mit angepackt. Auch der OB hätte es nie geschafft - im schwarzen Anzug mit Presslufthammer. In der französischen und amerikansichen Besatzungszone war es sogar verboten, Frauen zur Trümmerbeseitigung einzusetzen. In Frankfurt war es bis 1964 die TVG (Trümmerverwertungsgesellschaft), die aus Trümmern und Beton Bausteine und Häuser gemacht hat. Das war der Verdienst von OB Kolb.

 

Bei der Frankfurter Rundschau habe ich  einen Beitrag von mir entdeckt - und einen aus der Eisenbahnersiedlung.

 

März 1945 - Als die Amis kamen

2x Chocolate von de Amis in Frankfurt- Nied

aus einem Link der Frankfurter Rundschau

 

Der Parteigenosse war schon abgehauen

Sie kamen auf beiden Seiten der Sauerstraße von der Mainzer Landstraße her, eng an den Hauswänden entlang, die Gewehre in beiden Händen: die Amerikaner. Ich sehe sie langsam näher kommen. Mich fast 6-Jährigen hatten sie wohl auf die Straße gestellt, damit die Befreier keine Gefahr befürchten sollten. Rechtzeitig gingen wir ins Haus, der Willi, die Frauen und ich. Der Parteigenosse war schon ein paar Tage vorher abgehauen. Angst hatten wir schon, als die GIs im Haus hochstiegen in den zweiten Stock. Der Offizier der Gruppe sah meine Mutter, die schwanger war, und mich daneben, er lächelte: „Okay.“ Dann waren sie weg und wir ganz schön erleichtert. Sie durchkämmten jedes Haus. – Es folgten die Sperrstunden. Da hingen ab 18 Uhr fast alle in der Sauerstraße an den Fenstern. Ich stand hinter dem Haustor, als ein Jeep mit US-Soldaten neben dem Bürgersteig vorfuhr. Der Schwarze auf dem Beifahrersitz bot mir "Chocolate" an. Er war der erste Schwarze, den ich sah. Ich traute mich nicht auf die Straße, auch wegen der Sperrstunde. „Ei, Gerti, sei doch net so blöd, geh doch hin …“, schallte es aus den Fenstern. - Ich ging hin.

Gert Linz, Rodgau

 

Amerikaner verschenkten Schokoladentafeln

Als die Amerikaner 1945 in Frankfurt-Nied in die „Eisenbahner-Siedlung“ einmarschierten, stand meine Mutter mit mir (Jahrgang 1942) auf dem Arm mit vielen Nachbarn auf der Straße „Grüne Winkel“. Die Amerikaner verschenkten Schokoladentafeln an die Kinder, auch an mich, wie meine Mutter es immer wieder in späteren Jahren erzählte. Meine Mutter ging jedoch der deutschen Propaganda auf den Leim, die Schokolade und andere Süßigkeiten seien vergiftet. Sie nahm mir die Tafel aus der Hand und warf sie in den nächsten Straßengully. Ich soll gebrüllt haben und war lange nicht zu beruhigen. Später hatte ich dann Schokolade satt, denn meine Mutter war als Küchenhilfe bei den Amerikanern in den besetzten Farbwerken in Höchst beschäftigt.

Gerd Pfenninger

21.2.2018

FRANKFURTER GEFÄNGNISSE I

In den nächsten Tagen werde ich meine Sammlungen mal aufbereiten und hier präsentieren. Die Haupt- und Konstablerwache, unter denen heute  viele Tausende durchfahren, beginnen den Reigen. Die Gebäude waren zeitweise Polizeigefängnisse. Die "Konsti"  gibt es allerdings seit 1888  nicht mehr. Dahinter heute die Frankfurter Sparkasse, rechts die Zeil. Trotzdem heißt der Platz und Verkehrskontenpunkt noch so. Die Hauptwache hatte man beim U-Bahn und S-Bahn Bau mal ein paar Jahre irgendwo zwischen gelagert. Heute gibt es da keine Straßenbahnen mehr.

An die Hinrichtung des "Gretchens"(Faust) zwischen Hauptwache und Katharinenkirche denkt heute keiner mehr. Ihre letzten Stunden verbrachte sie im Katherinenturm, den es nicht mehr gibt. Da haben sich die reformierten und lutherischen Seelsorger um sie gerissen. Jeder wollte der letzte sein. - Juristen haben vor Jahren den Prozess um die Kindsmörderin Susanna Margareta Brand nachgespielt. 

20.2.2018

DIE ALTE BRÜCKE in Frankfurt war schon immer ein bedeutender Übergang über den Main. 1401 war sie sicher schon da. Als Karl der Große auf der Flucht über den Main wollte, war sie offenbar der Legende nach noch nicht da: er stapfte er mußte durch den Main, durch eine Furt, die FRANKenFURT. Sie hat vieles erlebt und überstanden. Das Sprengkommando der Wehrmacht hat ihr auf Befehl der vor den Amerikanern fliehenden Nazi-Clique den Rest gegeben. Da mußte auch der

BRICKE GICKEL dran glauben, der  in immer neuen Ausgaben seit 1401 in der Mitte der Brücke stand und Furchtbares  erlebt hat. Immer saß er über dem Gekreuzigten. Wenn er nach Norden blickte, sah er jahrzehntelang am Frankfurter Brückenturm die Leichen des Fettmilchaufstandes hängen - und von 1366 bis 1613 mußte er immer wiede zusehen, wie man Verurteilte und Selbstmörder in den Main schob. Er konnte zusehen, ob die Toten Frankfurter Stadtgebiet verließen. Das war dann für die Stadt erledigt. Wenn nicht, wurden sie auf dem Gutleuthof begraben.

 

10.2.2018 - Und dann diese unsäglichen Bismark-Denkmäler. An einem mußte ich immer wieder auf dem Schulweg zur Leibnizschule in Frankfurt-Höchst vorbei gehen: in Frankfurt-Höchst, 1899 von Fans gestiftet. Auf dem Schulweg habe ich mir nichts dabei gedacht. -  Bismarck (von 1862 - 1890 an der Macht) wirkte mit bei der Okkupation Frankfurts und des Herzogtums Nassau durch Preußen 1866. Beide wurden später zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Die Frankfurter gewöhnten sich kaum daran: so viele Jahrhunderte Freie Reichsstadt und jetzt diese SchandeCarl Constantin Victor Fellner, der  regierende Bürgermeister der freien Stadt Frankfurt erhängte sich am 24.Juli 1866, nachdem die preußischen Truppen am 16. Juli unter General Vogel von Falckenstein Frankfurt besetzt hatten und eine Kriegskontribution (weil Frankfurt im letzten Krieg für Österreich war)von 5 747 608 Gulden in Silber verlangten. Und später ein anderer preußischer General die Vermögensverhältnisse Frankfurter Bürger. Das Geld wurde bezahlt und in acht Eisenbahnwaggons nach Berlin gebracht Bismarck hatte eine Mitveranwortung am Krieg 70/71 gegen Frankreich (Emser Depesche), ließ den König von Preußen in Versailles zum deutschen Kaiser ausrufen (was für ein Affront!), saß im Hotel Schwann 1871 beim Frankfurter Frieden als Vertreter Deutschlands, ließ u.a. die Sozialistengesetze und das Verbot des Jesuitenordens beschließen - und versuchte 1884/85 auf einer internationalen Konferenz in Berlin die Welt in Interessenzonen einzuteilen: Deutschland wurde zur Kolonialmacht, na wunderbar! Einziger Pluspunkt: Um der SPD das Wasser abzugraben, schuf er das Sozialgesetzbuch... 1890 wurde es sogar Wilhelm II. zuviel; er entlies den Eisernen Kanzler.

1914 - Frankfurter Jahre - Und was davor geschah. Wie es dazu kam. Der Gefängnisverein betreibt Kriegshilfe und unterstützt so auch die Angehörigen. Die Gefängnisse sind leer.

Da steht er mit seinen Druckern in Frankfurt auf dem Goetheplatz/Rossmarkt. In der Hand haben er und ein Mitarbeiter ein kleines Stückchen - keine Zigarettenschachteln, nein, ein beweglicher Buchstabe. Wie bewegliche Buchstaben die Welt verändert haben! Martin Luther hat gleich davon profitiert. Aber auch die Kritiker der Hexenverfolgungen wie der Jesuit Friedrich von Spee. Vom MAIN TOWER sendet der Hessische Rundfunk. Fahr mal rauf; siehst du die 3 1/2 Pünktchen oben auf der Aussichtsplattform? Wie hoch der ist! Bei schönen Wetter ein fantastischer Rundblick!

www.maintower.de/besucherplattform-mehr/oeffnungszeiten

https://de.wikipedia.org/wiki/Gutenberg-Denkmal_(Frankfurt_am_Main)   

aus WIKIPEDIA

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (* um 1400 in Mainz; † 3. Februar 1468 ebenda), gilt als Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern (Mobilletterndruck) und der Druckerpresse.

Die Verwendung von beweglichen Lettern ab 1450 revolutionierte die herkömmliche Methode der Buchproduktion (das Abschreiben von Hand) und löste in Europa eine Medienrevolution aus. Gutenbergs Buchdruck breitete sich schnell in Europa und später in der ganzen Welt aus (siehe Ausbreitung des Buchdrucks) und wird als ein Schlüsselelement der Renaissance betrachtet. Insbesondere sein Hauptwerk, die Gutenberg-Bibel, zwischen 1452 und 1454 entstanden, wird allgemein für ihre hohe ästhetische und technische Qualität gerühmt.

Zu Gutenbergs zahlreichen Beiträgen zur Buchdruckerkunst gehören neben der Verwendung von beweglichen Lettern und eines Handgießinstruments auch die Entwicklung einer besonders praktikablen Legierung aus ZinnBlei und Antimon[1] und einer ölhaltigen schwarzen Druckfarbe. Zudem entwickelte er die Druckerpresse. Das besondere Verdienst Gutenbergs liegt darin, alle Komponenten zu einem effizienten Produktionsprozess zusammengeführt zu haben, der erstmals die manufakturmäßige Herstellung von Büchern mit identischem Text ermöglichte. 1997 wurde Gutenbergs Buchdruck vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends gewählt, und 1999 kürte das amerikanische A&E Network den Mainzer zum „Mann des Jahrtausends“.[2]

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Seit Jahren suche ich die Spuren der Hexenverfolgungen in den Orten, die einmal  Hessen hießen oder noch heißen: mit dem Fahrrad im Internet, Büchern und in alten Büchern aus archiv.org. und https://books.google.de/bkshp?hl=de&tab=wp. Unglaublich, was man da alles finden kann. Es sind Bücher, deren Urheberrecht abgelaufen ist. -  Heute habe ich Oberlahnstein dazu gepackt. Von Niederlahnstein habe ich keine Daten, war ja auch Trier. Bernhard Geil, der Stadtarchivar hat mir schon vor  Jahren Informationen geschickt. - Die Datei wird ständig bearbeitet und erweitert. Ist noch lange nicht fertig....

HEXENVERFOLGUNG_IN-HESSEN.pdf
PDF-Dokument [6.5 MB]

GEFUNDEN

Als Europa-Fan interessiert mich zurzeit, wie es zur "Erbfeindschaft" mit Frankreich und zum 1. Weltkrieg kommen konnte. www.faz.net bietet schreckliche Bilder und täglich neue Ausgaben der Frankfurter Zeitung von 1917, dem Anfang vom Kriegsende.

http://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/erster-weltkrieg-als-die-welt-unterging-13034411.html  - Mein Opa war dabei. Ist aus der Gefangenschaft in Sibirien zurück nach Frankfurt-Nied geflohen. Hat nie darüber geredet! 

 

Gestern in der FR über Nikolaus II., den letzten Zaren gelesen, ähnlich schwach wie sein Cousin Wilhelm II. Mein Verdacht verfestigt sich: Beide verwandten Schwachköpfe haben einen wesentlichen Anteil am Beginn des 1. Weltkrieges. Paul Arzheimer hat mir das Buch DIE SCHLAFWANDLER empfohlen, bekomme ich morgen. Es ist der gleiche Autor, der heute Abend um 19:30 im ZDF die Doku Wer wir sind, woher wir kommen gemacht hat.

GEFAENGNISGESCHICHTE_Buch-2014.pdf
PDF-Dokument [13.7 MB]

HESSEN das sind hier alle Gebiete, die heute und früher einmal  Hessen im Namen führten. Dann gehören auch Rheinhessen (und Kurmainz) und Aschaffenburg (unter Dalberg mit Frankfurt ein Herrschaftsgebiet zu Napoleonszeiten) dazu..

So wird die Geschichte der Gefängnisse zur Geschichte der Straffälligenhilfe und zur Geschichte der Gefängnisvereine. An einem abscheulichen Geschehen kann man dabei nicht vorbei sehen. Die Hexenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts haben auch in Hessen Spuren hinterlassen. Mit dem Fahrrad habe ich die Hexentürme in meiner Umgebung gesucht und fotografiert, alte Bücher und Internetseiten gefunden, die den Wahn beschreiben. Am Geschrey des Pöbels kommt man bei all diesen Recherchen nicht vorbei. Und auch die Bettler werden in der Geschichte des Gefängnisses ihren Platz bekommen. 

 

Braunfels im Aufgang zum Schloß: Die BESE HERBERG
Belagerung von Höchst am Main 1622. Nied brennt

Noch mal ein Blick zurück ins Jahr 1622, als die Schlacht bei Höchst schlimmste Verheerungen über die Gegend brachte. Nied brennt, Truppen umschwärmen die westliche Stadtmauer von Höchst, überqueren auf einer selbst gebauten Brücke den Main. Links hinter Höchst lauert die Armee Tillys. Wo links vorne der Wehrturm steht, baute man 400 Jahre später das Leibniz-Gymnasium. Heute steht dort auch das Hallenbad. - Da bin ich geboren und aufgewachsen.

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© Gert Linz